Spielzeugpraxen

Unsere erste ärztliche Anlaufstation entpuppte sich als Zahnarztpraxis, für die wir komischerweise gerade keinen Bedarf hatten. Aber im gleichen Gebäudekomplex gebe es noch eine Arztpraxis, hiess es, und wir mußten auch nur ein paar Meter durch den Regen gehen. Dort gab es dann das gleiche Spiel, nur dass ich Hoffnung schöpfte, als eine Arzthelferin ankündigte, sie würde in der nächsten Praxis, gleich um die Ecke, schonmal anrufen. Dort aber fühlte man sich auch nicht zuständig, und einen zuständigen Arzt („first doctor“) bekommen Norweger vielleicht gleich bei der Geburt. Bei der Einwanderungsbehörde jedenfalls waren wir auf solche Schwierigkeiten nicht hingewiesen worden. Auf den vagen Hinweis, wir könnten uns doch nach „freien Ärzten“ erkundigen, sind wir erstmal nach Hause (auch Mats wollte nach Hause und meinte damit nicht Ekel) gefahren, um unsere Persönliche erCundigungsmaschine zu konsultieren. Das ergab einen Hinweis, dem Anja aber telefonisch nachging, bevor wir wieder irgendwohin fuhren. Ergebnis: Wir mußten in jedem Fall erst zur „legevakt“, der Notfallambulanz. Was sich in deutschen Ohren für Durchfall und ein Informationsgespräch übertrieben anhört, erwies sich als goldrichtig: Weil Mats von den Spielzeugen im Vorzimmer nicht wegzubekommen war, beschäftigte sich die Ärztin erst einmal mit mir. Wenn ich könnte, würde ich Gina (deutsch gesprochen) Överland sofort zu meiner ersten Ärztin ernenne, denn sie hat mir weitergeholfen.“tüsn tack!“ Ich weiß nun, wie ich weiter vorgehen muß und fange damit auch in den nächsten Tagen an. Mats liess sich danach nur mit der Zusicherung zu einer Untersuchung bewegen, er dürfe einen Spielzeuglaster mit ins Sprechzimmer nehmen. Windel abgeben war ja einfach, aber einen Tropfen Blut mußte er auch noch dort lassen. Er suchte sich als Bestechung einen kleinen Plastiksaurier aus, der es bestimmt noch zum Bettgenossen bringen wird. Alle Praxen, in denen wir heute waren, hatten ausgedehnte Spielecken, und die Norwegerinnen gaben sich als kinderliebes Volk. Nun müssen wir nur noch warten. Auf den Beginn der Therapien und das Anschlagen der medikamentösen Behandlung. Ich bin dabei ganz guter Dinge, aber Mats wartet eher schlapp in Anjas Arm.

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