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Laufen lernen

Dass Anja das Paar meiner Schuhe, in dem auch die Schiene für unebenes Gelände ist, schon mit Schneeketten ausgerüstet hat, hat sich heute ausgezahlt. Denn es hatte die ganze Nacht geschneit und dementsprechend weiß war es auch. Da es irgendwann im Laufe des Tages zu schneien aufhörte und sich das Thermometer auch konstant über o Grad C hielt. Habe ich erst einmal einen Test mit den normalen Schuhen unternommen. Das ging auch anfangs noch ganz normal. Bis ich eine Strasse queren mußte, auf der Autos schon Schnee zusammen gepresst hatten. Da wußte ich, dass es besser wäre, zum Kindergarten nur mit Spikes an den Schuhsohlen zu gehen. Schon um Mats ggf. etwas Halt geben zu können. So habe ich´s dann auch gemacht. Auf Schnee und dieser eben beschriebenen Vorform von Eis auf der Strasse ging ich nun vollkommen sicher. Aber im Haus, auf den Fliesen kam mir das Gehen nur voll unsicher vor. Es war als würde das Metall auf Keramik wegrutschen. Aber das gab sich nach einer Weile. Es war, als müßte ich erst mal lernen auf einer Art stelzen zu gehen lernen. Wie Anja, die gestern ausprobiert hat mit einem Rennrad indoor auf einer Art mitdrehender Walzen zu fahren. Da mußte sie auch ganz neu lernen, das Gleichgewicht auf dem Fahrrad zu halten. Nur daran, dass ich nun mehr Lärm mache als ein Steptänzer muß ich mich noch gewöhnen.Mats mußte ichdann keinerlei Halt geben. Der rennt ganz sicher mit seinen Gummistiefeln über den Schnee. Das Problem war nur, dass er jeden zweiten Schritt anhalten mußte, um etwas Schnee zusammenzuklauben, um mir den noch gar nicht haftenden Pulverschnee zu übergeben, damit ich etwas draus baue. Am Spielplatz wollte er dann zeigen, was er kann und verlangte nach einem Spaten. Später, zu dritt, mit der Laterne am Spielplatz mußten wir ihm erst erklären, wie Schneeballschlacht geht. Er wollte uns nämlich immer mit Schneepulver bestäuben, duldete es aber auf keinen Fall, dass er auch von uns etwas Schnee auf seine Kleidung bekam. Jedenfalls haben es nun auch alle Nachbarn gehört, welchen Spass er im und am Schnee hat. Unserem Sohn wird der Winter wohl nicht zu lange werden.

Licht in der Dunkelheit

Mögen andere Kürbisse beleuchten, wir haben viel altmodischer ein Licht angezündet, das auch noch das Herz erwärmt: Oma Heike hatte schon vor einiger Zeit eine Laterne geschickt, und unser erstes Laternelaufen war heute. Eigentlich wollte Mats ja wieder die Gespensterlaterne aus Plastik haben, die er letztes Jahr im Erfder Kindergarten hatte, aber dann hat er doch schnell die Sonnenlaterne aus Papier akzeptiert. Und morgen geht’s an den Spielplatz statt an den unwegsamen Strand wie heute. Damit ich auch mitkommen kann. Heute habe ich von Fenster und Balkon zugeschaut und mir vorgestellt, dass die vielen tausend Lichter der Stadtinsel Laternen wären, die Kinder in den Händen halten.

Vorgeschmack

Dass es schon dunkel ist, wenn ich Mats vom Kindergarten abhole, liess sich leicht ändern. Statt kurz nach, hole ich ihn mittlerweile viertel vor vier ab. Dann kann eine Erzieherin ihn anziehen, während eine Kollegin auf die anderen Kinder aufpasst. Heute war bestimmt schon der 4. Tag in Folge, an dem mir erzählt wurde, dass es ein toller Tag für Mats war. Und auch dem strömenden Regen vermochte Mats einiges abzugewinnen. Er ist auf dem Nachhauseweg voller Freude durch jede Pfütze gelaufen. Für mich waren die hundert Meter ja eine einzige große Pfütze. Aber im Gegensatz zu Mats habe ich ja auch keine Gummistiefel. Vielleicht fällt einem hiesigen Orthopädietechniker ja eine Gummistiefelähnliche Konstruktion ein, in die auch ich mit meinem gelähmten linken Fuß hineinkomme. In Deutschland war da nichts zu machen. Vielleicht hätte ich dann auch meine Freude am Regen. Schlimmer waren heute eigentlich auch Nebel und Wolken. Die Berge waren nur Mittags mal kurz zu sehen. Die Hurtigruten gar nicht. Immerhin war es bis 15 Uhr noch halbwegs hell. Bei dem Gedanken daran, dass sich das bald radikal ändert, war mir heute schon mehr als mulmig. Es ist dann so, wie an einem sehr anstrengenden Tag mit Mats: Augen zu und durch. Nur: dann sehe ich auch nicht mehr.

Jetzt aber hurtig!

Die Hurtigruten fährt jeden Tag um 14.30 in den Hafen von Tromsö. Das kann ich von meinem Schreibtisch aus sehen. Und wenn ich gerade mal nicht am Schreibtisch bin, sagt mir ihr Tuten, wie spät es ist. Ob dieses Schiff auch im allgemeinen Bereich Wickelräume hat? Wahrscheinlich ja. Gibt es hier ja überall: In Anjas Institut, den Museen, der Bibliothek…

Vertrauter, aber nicht so angenehm: Unverlangt in den Briefkasten geworfene Werbung. Trotz entsprechendem Aufkleber.

Und bei der Weiterfahrt nach Norden ist die Hurtigruten auch immer ziemlich pünktlich: 18:45 Aber dann fährt das Schiff an unserem Haus vorbei. Vom Balkon aus könnte ich jedem zuzwinkern, der an Deck steht, bzw. den ich sehen würde. Aber in der Dunkelheit steht da bestimmt sowieso keiner draußen. Mats will schon lange Mal mit diesem schicken schnellen Postschiff fahren. Ich bekomme auch jeden Tag mehr Lust dazu: Lofoten, Alesund, Bergen. Immer an einem Ort zu bleiben, ist wohl nichts für mich. Selbst wenn der Tromsö heißt.

Der Rückweg

Von außen betrachtet muß die Routine von heute langweilig erscheinen, aber ich habe die Ruhe genossen. Nur als ich Mats um 16 Uhr vom Kindergarten abholte, hätte es gerne noch ein bißchen hell sein dürfen. Beim Gedanken an die am 26.11. beginnende polare Nacht wird mir schon ein wenig seltsam zumute. Und so viele Laternenmasten stehen auf der kurzen Strecke auch nicht, dass Norwegens Wasserkraftstrom die Nacht zum Tag machen könnte. Ein überdachter Weg wäre auch nicht schlecht. Auf dem Rückweg sind wir beide ziemlich nass geworden. Aber lange nicht so nass wie Anja, die eine halbe Stunde später mit dem Fahrrad kam. Aber da waren Mats und ich schon wieder trocken. Zum Glück war´s heute wenigstens 5 Grad warm, sonst hätte sich Junior wohl lieber auf die dunkle Strasse geworfen als an meiner Hand den ganzen Rückweg anzutreten. Wir sagen ihm, dass es noch viel dunkler werden wird. Und kälter. Und nasser bestimmt auch, dann und wann. Ob das pädagogisch klug ist, weiß ich nicht.