SOZIALES LEBEN

Anja hat mir auch am Samstag die Ruhe zum konzentrierten Training gelassen und ist mit Mats in die Stadt gefahren. Ich hatte nach dem Elektrostimulationsprogramm sogar noch Zeit, wieder den Kochlöffel zu schwingen, schliesslich bekommen wir heute Abend Besuch: Gunnar war schon in Hamburg Anjas Kollege und ist ihr über Kalifornien nach Tromsö vorweg gereist. Jetzt hat er hier eine unbefristete Stelle. Etwas, das es in Deutschland für Wissenschaftler kaum gibt. Bin schon gespannt, zu hören, was seine Frau Gabi hier in Tromsö macht, während ihr Mann bei der Arbeit ist. Wir sind ja quasi beide Anhängsel. Das Hauptgericht des Essens zaubert natürlich Anja. Ich bereite nur den suppigen ersten Gang. Danach gibt es dann Semmelknödel mit Schwammerlsauce. Während sie alle Vorbereitungen trifft und ich dies schreibe (die Suppe köchelt schon vor sich hin) beschwert Mats sich, dass Anja nicht hundertprozentig für ihn da ist. Dabei hat er auf dem Flohmarkt einen Spielzeugsattelschlepper bekommen, der nun alle seine Autos durch die Wohnung fahren kann. Noch besser sind die Bücher aus der hiesigen Bibliothek. Riesig, modern mit viel kinderliteratur, die teils sogar auf deutsch sind. Und genau die hat sich Mats natürlich ausgeliehen. Und um Papierbücher leihen zu können, braucht man noch nicht mal die amtliche norwegische Personal-ID. Laut Anja ein Ort an dem wir (drei) sicher noch viel Zeit verbringen werden. Gibt dort ja auch viele Filme. Und der Winter wird lang. Am Nachmittag sind wir dann alle drei nochmal losgefahren, um ein gebrauchtes Mountainbike nach erfolgreicher Probefahrt zu kaufen und mitzunehmen. Damit will Anja nun immer zur Arbeit fahren. Was mit Mats ist, während Anja demnächst auf ihrem 3tägigen Arbeitsmeeting etwas außerhalb ist, hat sich auch schon geklärt: Die Großeltern aus Garmisch fliegen ein. Irgendwie schade, das wir Omas und Opa nicht gleich ganz mitnehmen konnten.

Ursprünglich hatte ich mir ja vorgestellt zu schreiben, dass wir,wenn wir in Deutschland wären, während dieser Leerzeilen eine Flasche Wein geöffnet hätten. „Wir sind aber nicht in Deutschland.“ Aber Gunnar und Gabi haben doch tatsächlich eine Flasche Wein mitgebracht. Auch ohne das wäre es aber sicher ein sehr netter Abend geworden. Und ich bin mir sicher, dass es nicht der letzte Abend in dieser Konstellation war. Ganz sicher. Auch Mats haben die beiden gefallen. Aber der war heute ohnehin ein ungewöhnlich zufriedenes Kleinkind. Und vor wenigen Tagen hat er auch schon gesagt, dass er jetzt  hierbleiben will. Und auf Nachfrage: „ich will jetzt gar nicht mehr zurückfliegen.“

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