gute Aussichten

Nächste Woche bahnt sich ein neuer Blogeintrag an: dann habe ich meinen ersten Neurologentermin. Den darf ich auf keinen Fall verpassen, hoffe ich doch, dass der norwegische Neurologe noch ganz andere Ideen haben wird als die ganzen Therapien, die ich schon seit Jahren mache. So erfolgreich sie auch sein mögen. Etwas GANZ Anderes wäre auch nicht schlecht.

Leider kollidiert dieser Termin mit einer Physiotherapiebehandlung bei Sten. Der konnte mir zwar schon einen Alternativtermin angeboten, aber der ist nachmittags, wenn ich eigentlich Mats abhole.Aber vielleicht kann Anja das ja auch machen, wenn sie von der Arbeit aus nicht wieder Lytefiskessen hat wie heute. Das ist eine norwegische Spezialität, die mit getrockneten Fischen zu tun hat, die vor dem Verspeisen in eine gcheleeartige Masse verwandelt werden. Hört sich ziemlich ekelig an. Da bin ich doch froh, dass ich heute den Nachmittag mit Mats verbringen und ihm nur Fischstäbchen anbraten durfte.

Advertisements

Und wenn´s noch dunkler wird?

Da ich weiß, dass es in Deutschland ein paar Leute gibt, die alle Beiträge dieses Blogs lesen, würde ich ja gerne wieder täglich schreiben, auch wenn gar nichts Besonderes passiert, außer dass es immer dunkler wird.Dazu nur so viel: Es gibt ja viele verschiedene Angaben über den genauen Beginn der polaren Nacht, die sich nur insofern einig sind, dass sie in den letzten Tagen begonnen hat. Scheint mir aber anders zu sein. Immer noch gibt es zwischen 10 und 13.30 etwas, dass einem trüben, grauen verhangenen Novembertag in Deutschland entsprechen würde. Und damit ist es noch deutlich heller als ich erwartet habe. Nun könnte ich darüber nachsinnieren, was das wenige Licht jetzt schon mit mir macht. Aber mir fehlt die Zeit dazu. Dass die Waschmaschine auch arbeitet, wenn ich nicht daneben sitze, ist mir erst eingefallen als ich das meiste andere schon erledigt hatte. Und dann fehlte mir die Zeit, die Wäsche auch aufzuhängen, bevor im Mats vom Kindergarten abhole.

Es schreibe mir bitte eine mail wer künftig von Belanglosigkeiten wie dieser verschont werden möchte: Wenn es stürmt, hört man das über die Dunstabzugshaube in der Küche sehr deutlich und damit auch im Wohnzimmer und an meinem Schreibtisch. Das behindert mich beim Schreiben. Aber sonst ist Alles ok. Nur wäre „Alles“ noch deutlich mehr, wenn ich denn dazu kommen würde.

infrastruktur

Als ich heute morgen zum 20er Bus ging, um zur Therapie zu fahren, ist mir die Ähnlichkeit mit Hamburg wieder aufgefallen: Auch dort war die Haltestelle eines Busses gleich um die Ecke, mit dem ich zur Therapie und Anja zur Arbeit fahren konnte. In der Nähe unserer teuren Wohnung war dort die Elbe, und hier ist der Fjord noch näher. Ein Pendant zum sehr nahen Supermarkt hatten wir nicht, zumal wir uns in HH wenn es ging noch den Bioladen leisteten, der für mich dann aber gleich 20 Minuten Fußmarsch bedeutete. Ein Gegenstück zum sehr sehr nahen Kindergarten brauchten wir in Hamburg noch nicht. Dafür konnten wir ohne großen Aufwand in Kino oder Theater gehen, und ein Restaurantbesuch erschien uns nicht gleich bis zur Utopie unerschwinglich. Was mir im Bus noch auffiel: etwa die Hälfte der Fahrgäste waren Afrikaner. Das finde ich ja angenehm bunt, war aber doch erstaunt, dass die trotz eines anzunehmenden Kälteschocks überhaupt noch Busfahren können.

Ende eines anderen Wochenendes

Falls es Leute gibt, die so ein sonntäglicher Tagesablauf in einer jahreszeitigen Umbruchphase interessiert:

ich bin (erst) um 6.30 ausgeschlafen aufgestanden; da war es noch dunkel. Um 7.30 begann es, zu dämmern, und um 8.30 konnte ich bereits die Radom-Kuppel auf dem Berg von Kvalöya sehen, der scheinbar über der Stadtinsel aufragt. Mats ist auch in seinem Samizelt vergleichsweise spät, um 7 Uhr, aufgewacht. Aber Anja war da noch sehr müde…

Netterweise sind die beiden dann aber schon am Mittag wieder hier gewesen, weil sie nicht nur den holprigen Fußweg vom Lagerplatz bis zum Auto sondern auch noch die ganze Fahrt nach Hause (inkl. Fähre) im Hellen zurücklegen wollten. Nun weiß ich jetzt schon, dass es den beiden sehr gefallen hat: Es gab 2 miteinander verbundene Zelte. Ein Schlaf- und Spielzelt, sowie ein Küchen- und Esszelt mit offener Feuerstelle und Loch im Dach (wie es offenbae nicht nur die Wikinger sondern auch die Sami hatten. Dementsprechend verqualmt roch auch die Bekleidung der beiden, zu deren Prioritäten dann natürlich auch das Duschen gehörte. Gestern haben Sie mit Kanus einen Ausflug über den See (aus kristallklarem, trinkbarem Wasser) zu einer anderen Hütte gemacht, die auch eine Sauna hat. Saunieren hat Mats nicht gefallen (das könnte könnte er von mir haben), aber vom Kanufahren und Toben auf den Matratzen im Schlafzelt ist er begeistert. Ich muß gestehen, dass ich vom Ende der Ruhe in unserer Wohnung nicht begeistert bin. Da hilft nur eins: Auf den nächsten Ausflug muß ich mit.

IMG_5081

IMG_5086

IMG_1228

IMG_5089

wie die Ureinwohner

Im Moment steht hier alles im Zeichen der Dunkelheit. Nächste Woche soll ja schon die polare Nacht beginnen, obwohl es im Moment noch von 10-14 Uhr etwas Tageslicht gibt, das zwar reicht, um draußen seinen Weg zu finden, aber auch zeigt, dass wir drinnen Probleme bekommen werden. Zum Beispiel haben wir über dem Esstisch kein künstliches Licht, und Bücher lesen geht darauf schon jetzt nicht mehr. Leider hat die Anzeige meines täglich benutzten Elektrostimulationsgerätes keine Beleuchtung, was die Einstellung jetzt schon schwierig macht. Am Mittwoch hatte der Kindergarten schon alle Eltern zu einem letzten entspannten Zusammensein vor der großen Dunkelheit gerufen. Heute lädt das norwegische Pendant zum Alpenverein zu einem Dunkelheitsfest. Ein Zeltlager. Geschlafen wird in Sami- Tipis (die Sami wurden früher aus unerfindlichen Gründen „Lappen“ genannt) an einem Fjord, der mit einer Fähre überquert werden muß. Dann 1,5 km Fußmarsch durch die Wildnis zum Lagerplatz. Mats hat gestern schon geübt und ist ganz selbständig zu Eurospar gegangen und ist heute schon sichtlich stolz mit seinem neuen Schlafsack durch die Wohnung gelaufen. Da die sogenannten Pfade hier für mich erfahrungsgemäß eventuell nicht zu schaffen sind, und Schlafen auf dem Fußboden bei ungeklärter nächtlicher Toilettensituation auch nichts für mich ist, darf ich ein freies Wochenende genießen, das bisher aber nur aus Hausarbeit und Training bestand. Das wird ab morgen anders. Und Anja und Mats steht hoffentlich auch eine angenehme Erfahrung bevor; irgendwo da draußen in der bisher Mobiltelefonempfangsfreien Zone, was für Norwegen ja schon mal ungewöhnlich ist. Montag kann ich davon berichten.

unspektakulär

Was ich mir ja nur selten entgehen lasse, ist die Vorbeifahrt des Hurtigruten-Dampfers an unserem Balkon. Nur sehr selten, werde ich dabei auch eines Polarlichts gewahr. Gestern war es zum ersten Mal seit vielen Wochen wieder so weit. Ein dezentes hellgrünes, einfach nur am Himmel stehendes Band, das weder flackerte, noch sich im Schnee spiegelte. Es war einfach nur da. So wie wir in Trumßö. Es begann zu regnen, und regnete die ganze Nacht weiter. Dazu kamen Plusgrade, und heute morgen war der Schnee weg. An manchen Stellen auf dem Weg zum Kindergarten gab es jetzt zwar eine massive Eisschicht, aber wenn es so weiter geht (was angesagt ist), kann ich meine Nagelschuhe bald wieder in die Ecke stellen. Für ein wahrscheinlich nur kurzes Zwischenspiel golfstrombedingter Wärme.

Auf dem Weg zum Kindergarten war ich aufgrund einer Verabredung mit dem Leiter, der zu einem Routinegespräch über seinen immer noch recht neuen Schützling Mats geladen hatte. Er war des Lobes voll über den cleveren Burschen, der sich nach anfänglichen, sprachbedingten Schwierigkeiten nun prima eingelebt hat und immer besser mit seinen Kameraden zurechtkommt. Im Spiel mit ihnen benutzt er auch immer mehr norwegische Wörter. Kato konnte ich heute auch mit dem norwegischen Kinderlied vom kleinen Lamm beeindrucken, das ich mir von Mats abgehört habe.

abdrehende Finnen

IMG_1199Dieses Wochenende war ja ich mit Whale Watching dran. Das dachten sich tausende Einheimische aber auch. Alle Parkplätze mit Fjordblick waren schon auf dem Weg zum eigentlichen Beobachtungsort überbelegt. Irgendwann sah Anja einen freien Platz und stellte unseren Wagen ab. Sie sah auch bald auf- und abtauchende Finnen und sogar den einen oder anderen Blas. Nur ich sah nichts. Bildete mir bei angestrengtem Aufs-Wasser-Schauen zwar gelegentlich ein, etwas wie die Rückenflosse eines Wals zu sehen, aber die entpuppten sich schnell als dunkle Wellen, die ausliefen. Auch beim Raunen der anderen Watcher merkte ich lediglich, dass das Stapfen im Schnee sich nicht besonders sicher anfühlte und meine Beinschiene anmeldete, bald ihren Dienst einstellen zu müssen. Eigentlich war die See auch zu rauh, um in dem Wellenmeer eine Finne, Fluke oder einen Walrücken auszumachen. Weil Mats wegen Kälte und Hunger jammerte, drehten wir auch bald um. Aber Anja hielt auf dem Rückweg nochmal an. Diesmal konnte ich wenigstens auf der Strasse stehenbleiben, sah aber immer noch kein Walzeichen, während Anja ganze Gymnasien der Meeressäuger fotografierte. Ich beschloss, mein Sehvermögen nicht weiter zu überanstrengen. Damals in der Antarktis gab es auch nicht viele Wale, aber die wenigen mußte ich auch nicht aus dem Wasser heraushypnotisieren. Ich konnte sie einfach sehen. Damals war meine optische Wahrnehmung allerdings auch besser. Kaum begann ich, etwas entspannter an die Sache ranzusehen, tauchten auch schon die ersten deutlichen Walfinnen auf. Sogar 3 oder 4 gleichzeitig. Tauchten auf und wieder ab und beschrieben dabei Kreisbogenabschnitte, wie es sich gehört. Einmal meine ich, den weißen Bauch eines Orka gesehen zu haben. Die anderen, kleineren Rückenflossendreiecke sollen Finnwalen gehören. Die Tiere waren erstaunlich ortsstabil, so dass eher die paar Grade unter Null meine Zuschauerrolle beendeten als das Verschwinden der Wale.

IMG_1200

IMG_1215

Auf dem Nachhauseweg begegneten wir dann noch einem Phänomen, das mit ganz anderen Säugern im Wasser zu tun hat, und uns eine nordische Verschrobenheit nicht den benachbarten Ausländern zuschreiben liess, sondern den Einheimischen. „Die spinnen, die Norweger“ rief Anja aus, als wir vor einer Fjordbrücke einer Gruppe Kitesurfern begegneten.