Entschädigung

Alles, was wir uns gestern für den heutigen Sonntag vorgenommen hatten, hatte etwas mit Schnee zu tun. Zum Beispiel hatten Anja und Mats gestern ganz in der Nähe einen Abhang gesehen, den Kinder in ihren Schneeanzügen herunterrutschten. Das wollte Mats natürlich auch. War Programmpunkt Nummer eins nach dem Frühstück. Noch gibt es zu dieser Zeit ja Tageslicht. Wir hatten nicht damit gerechnet, dass es heute gar keinen Schnee mehr geben könnte. Als Mats heute morgen um 6. von unserem Bett aus unter dem Rollo durchlugte und nüchtern feststellte „der Schnee is weg!“, haben wir ihm, schlaftrunken wie wir waren, zunächst nicht geglaubt. War aber so. Es hatte die ganze Nacht geregnet. Angeblich waren es sogar vier Grad plus (im Lauf des Tages bis zu 7).Nix mit Schneerutschen. Immerhin mußte ich mir jetzt nicht mehr die Schneekettenschuhe anziehen, wenn ich raus wollte. Aber wer will bei Dauerregen schon raus? Um 12.30 hörte es zwar auf, der Himmel wurde sogar ein bißchen blau, aber als Mats vom Mittagsschlaf aufstand, war es wieder grau, trübe und ekelig.Aber das blieb nicht so. zumindest nicht außerhalb der Wohnung. Und drinnen bekamen wir Besuch von Anjas Bürokollegin und ihrer Familie, bei der wir vor ein paar Wochen schon zu Gast waren. Es war fast schon eine Art Adventsfeier. Mit frischgebackenen Waffeln und dem Geruch von Zimt. Sogar Kerzenschein hatten wir. In unseren Laternen. Und obwohl Mats nun die Zwillinge Vesna und Mila mit ihren Laternen dabei hatte, wollte die Stimmung der klassischen Kinderlaterneumzüge nicht aufkommen. Und obwohl die Zwillinge auch ein paar Jahre in Deutschland gelebt hatten und den Brauch so gut kannten wie die Lieder, waren nur die Erwachsenen zu hören mit ganz schüchternen „ich geh mit meiner Laterne…“ Es war heute auch schlicht unmöglich, gegen den sehr selbstbewußten Wind anzukommen. „We´ll go to the Beach“ erklärte Anja unseren Gästen etwas hochtrabend das Ziel. Jene schon früher beschriebene Uferlinie aus Schutt mit den vielen Pfützen davor. Das Ende vom Lied: Alle Kinder trocken und keine Laterne abgebrannt. Und was soll einer aus Ekel schon zu diesem Sturm sagen. Mag da ruhig noch viel mehr kommen. Uns bleibt ja der Blick auf den Fjord.

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