Ambulanse

Gestern war es dann so weit: Ich konnte die Tromsö Legevakt (Notfallambulanz, wörtlich „Arztwache“) vom Krankenwagen aus betreten.  Das war so gekommen: Wegen einer frei herumlaufenden Magen-Darmkrankheit durfte Mats gestern nicht in den Kindergarten. Vormittags war Anja mit ihm in der Stadt unterwegs. Nachdem er mittags eingeschlafen war, ist Anja zur Arbeit gefahren (das nächsten Monat startende Expeditionsschiff wird gerade beladen), und ich habe mich hingelegt. Meine nächste Erinnerung ist, dass ich auf dem Boden lag und immer nur eine Kante zwischen Parkettboden und hölzerner Wand gesehen habe, an der ein schwarzes Kabel entlanglief. Dabei zuckte mein Gesicht. Als ich aufwachte lag ich krampfend auf dem Boden und konnte mich nicht bewegen, weil ich wie im Polizeigriff auf meinem gelähmten Arm lag. Auf der entgegengesetzten Ecke des Zimmers (für ortskundige Großeltern: vor dem Fernseher) lag der arme Mats und weinte. Ich versuchte, ihn zu rufen, damit er mir vielleicht beim Umdrehen helfen könnte, aber er nahm mich nicht wahr. Kurz darauf kam Anja herein, überblickte die Situation, meinte „sowas hab ich mir gedacht“ (ich hatte auf ihre sms nicht geantwortet) und rief den Notarzt. Von da an lief alles wie immer; nur dass die Sanitäter norwegisch sprachen. Ich war auch soweit klar, dass mir kein Beruhigungsmittel gespritzt werden mußte. Auch in der Legevakt gab es keine eigentliche Untersuchung. Man wollte durch ständiges Fragen wohl nur herausfinden, ob ich vernunftbegabt genug für eine Entlassung war. Ich durfte dann auch sehr schnell Anja anrufen, damit sie mich abholt. Während Anja unterwegs war, konnte ich noch per Kreditkarte im Automaten die Rechnung bezahlen, und als sie eintrat, las ich vom Schild ab: “velkommen til Tromsö legevakta!“.

Auch ohne Seditativum habe ich vom Rest des Tages lange nicht alles mitbekommen. Aber ich konnte mir die Stelle an der Wand ansehen, an der ich gelegen hatte. Samt schwarzem Kabel an der Fußleiste.
Heute darf Mats (48 Stunden nach dem letzten Durchfall oder Erbrechen) wieder in den Kindergarten. Damit Anja halbwegs beruhigt arbeiten kann, haben wir ausgemacht, dass sie mich jede Stunde anruft.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s