slippery

Weil ich ja unbedingt die Möglichkeit, 2014 bis kurz vor Toreschluß noch einzukaufen, nutzen mußte, wurde ich mit dem Verlust meiner Mütze bestraft. – der von Anja selbst gestrickten Wollmütze. Ich hatte das zwar noch im Laden gemerkt, konnte sie aber nicht wiederfinden. Da war mit meiner Halbseitenblindheit nichts zu machen, so sehr ich den Kopf auch nach links drehte. Heute konnte ich nun endlich versuchen, sie wiederzubekommen. – irgendein vollsichtiger Mitarbeiter von Eurospar würde sie bestimmt gefunden haben, Nun hatten wir zwar schon seit einigen Tagen Tauwetter, aber Reste von Schnee und Eis gab es aber noch hier und da. Darum war ich unsicher, ob ich es schon wagen konnte, ohne Spikes an den Schuhen zum Laden zu gehen. Anja konnte melden, dass der Weg bis zum Kindergarten normal begehbar sei, aber wie es dahinter aussah, wußte sie nicht. Ich beschloss, es ohne Spikes zu versuchen. Für irgendwas muß das viele Training im Treppenhaus ja gut sein. Tatsächlich ging es bis zum Barnehage ganz problemlos, und auch noch weiter bergauf darüber hinaus. Den Asphaltpfad, der dann kommt, überquerte ich auch noch ohne Schwierigkeiten, obwohl dort schon einige Eisreste lagen. Ich wußte, dass der Abhang, der nun folgte, das Problem sein würde, und tatsächlich lag er noch voller Schnee. An den Seiten war der aber tief und matschig genug, um darüber gehen zu können. Und in der Mitte gab es einen aus Split bestehenden Pfad, der vertrauenserweckend aussah. War er auch. Aber nur wenige Schritte vom sicheren Asphalt des Eurospar-Parkplatzes entfernt sah ich ein Postauto wegfahren, dem meine Blicke folgten, weil ich feststellen wollte, ob der Wagen in unsere Richtung fuhr. Ehe ich das aber feststellen konnte, lag ich schon. Beim Schauen bin ich nämlich weitergegangen und habe ein Bein auf den Asphalt des Parkplatzes gesetzt. Dass der mit einer ganz dünnen Eisschicht überzogen war, konnte ich erst feststellen, als ich drauflag. Ich hatte mich aber gar nicht verletzt und versuchte, wieder hochzukommen. Aber trotz des ganzen Trainings hat die Kraft in meinem linken Bein fürs Aufstehen einfach nicht gereicht. Durch die Scheibe eines Seiteneingangs von Eurospar, fragten mich Leute in Zeichensprache, ob sie mir helfen könnten, was ich natürlich bejahte. Sie antworteten, dass es dabei irgendein Problem gebe. Vielleicht konnten sie den Schlüssel nicht finden. So dauerte es bestimmt noch 2 Minuten, bis jemand kam und mir hochhalf. Da dieser Jemand ein Mitarbeiter von Eurospar war, konnte ich ihm ja gleich von meinem Anliegen erzählen. Er ging dann auch rein und schaute wohl im Standardaufbewahrungsort von Fundsachen nach. Er kam aber ohne Mütze zurück. Es gebe noch eine andere Möglickeit, meinte er und ging mit mir durch den Haupteingang. Gut, dass ich nichts einkaufen mußte. Der freundliche Glatzkopf kam wieder ohne das Gesuchte zurück. Es blieb mir also nichts übrig, als ihm zu danken, ein gutes neues Jahr zu wünschen und den Nachhauseweg anzutreten. Aus Gewohnheit ging ich in die übliche Richtung, und das war auch gut so: Vor einem der großen Glasfenster, die den Laden vom Parkplatz trennen, lag draußen die Mütze. Naß natürlich und etwas mitgenommen. Wahrscheinlich sind ganze Kohorten von Menschen aus der Nachbarschaft auf dem Weg zum Neujahrseinkauf darübergelatscht. Aber die Mütze ist heil. In 2 Wochen bekommen wir zwar eine neue Waschmaschine, aber bis dahin werde ich bestimmt versuchen, sie mit der Hand zu waschen. Blieb das Problem des Nachhauseweges. Ich ging zum Abhang, ich Wahnsinniger. Aber ich fing gerade erst an, mir anzusehen, ob es nicht doch einen sicheren Weg da hoch geben würde, da sprach mich eine Frau an und fragte, ob sie mir helfen könne. Na klar konnte sie und stelte sich auch gleich ungefragt an die richtige Seite, damit ich mich mit meiner rechten Hand an ihr festhalten konnte. Oben fragte sie mich, wo ich wohne und wollte mich noch die ganzen 150 Meter bis zum Hauseingang begleiten. Ich lehnte ab. Schliesslich ginge ich jeden Tag alleine diesen Weg. „but it´s not so slippery every day.“ entgegnete sie. Ließ mich dann aber doch gehen. Ich drehte mich noch ein paar Mal um und sah, dass sie mir von ihrem Weg aus zuwinkte. Wüßte ich nicht, dass sie Sandra heißt, ich würde sie Silke nennen. Nach der besten Nachbarin der Welt, der sie von Alter und Aussehen her tatsächlich etwas ähnelt.

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2 Kommentare zu “slippery

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