Kathedrale im Dunkeln

Heute wurde uns vor Augen geführt, wie abhängig wir doch sind; gegen 15.20 uhr fiel der Strom aus. Um 16.10 war er kurz wieder da. Aber nur so kurz, dass ich die im Dunkeln ertastete Taschenlampe wieder an ihren Platz stellen konnte. Weil ich solche Schwierigkeiten habe, die Bobbahn zum Kindergarten hinauf zu gehen, hat Anja heute Mats abgeholt. Das war mit dem Fahrrad gar nicht so einfach. Nicht nur der Glätte wegen. Ein starker Wind schleuderte ihr kleine Eiskristalle ins Gesicht. Und als sie ziemlich groggy mit Mats nachhause kam, bot da keine warme Dusche etwas Entschädigung an. Warmes Wasser gab es genauso wenig wie Heizung. Deshalb bot uns eine Freundin mit Kamin auch Asyl in ihrem Gästezimmer an. Nur dahinzukommen wäre schon schwierig gewesen, denn unser Auto ist gerade in der Werkstatt, und wie die Busse in einem ziemlich lahmgelegten Tromsö fahren, wußten wir nicht. Die Freundin wußte per sms auch zu berichten, dass der Stromausfall darauf zurückzuführen sei, dass das Hauptkabel von Narvik in alles Nördlichere gebrochen sei. Das hörte sich nach einer längeren Geschichte an. Wir waren uns einig, dass wir diese Art von Abenteuer nun gar nicht wollen, stellten uns aber dennoch darauf ein, dass der Stromausfall bis morgen dauern könnte. Mats wollte das auch gar nicht. Warmes Abendessen mußte ausfallen, das ipad, auf dem er seine kurzen Lars-Eisbär-Videos schaute, war nicht aufgeladen, und ihm im Kerzenschein Bücher vorzulesen, strengte unsere Augen  sehr an. Der Großeinkauf mußte auch ausfallen und wir Mats schon mal vorsichtig darauf einstellen, dass es keinen Joghurt- Nachschub geben würde. Warum es zwischenzeitlich im Stadtzentrum Licht gab, wußten wir nicht; aber bis zum Ostufer des Fjordes kam es lange noch nicht. Zwischendurch gab es noch einmal für ein paar Sekunden Strom, und erst ab 18.30 blieb er dann. Nur die Eismeerkathedrale war erst nach 20 Uhr wieder sichtbar.

Also eigentlich gar nicht schlimm das Alles. Aber wenn das nun tagelang angehalten hätte, wären wir ganz schön aufgeschmissen. Abgesehen davon, dass der Grund unseres Hierseins wegfiele. Anjas Arbeit. Und nicht nur, weil die Eisbohrkerne im Tiefkühllager nicht allzulange untersuchungsfähig bleiben würden.

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2 Kommentare zu “Kathedrale im Dunkeln

  1. Wie abhängig wir von unserer Umwelt sind und wie sehr sie uns im Griff hat – und nicht wir die Umwelt/Natur – war eine der Lektionen die ich in der Antarktis gelernt habe.

    Viele liebe Gruesse

    Detlef

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