Ohne rote Nasen

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Am Sonntag-Mittag war Rentier-Rennen in Tromsös Innenstadt. War eine groß angekündigte und norwegisch-teure Veranstaltung. Für die drei (s.u.) Erwachsenen, die wir waren, hats 450 norw. Kronen gekostet (Wer´s wissen will: umgerechnet ziemlich genau 50€). Dafür durften wir die Haupteinkaufsstrasse betreten, die allerdings schmaler war als sonst. Denn die frisch beschneite Ren(n)tierloipe in der Mitte war durch Zäune abgesperrt, hinter denen die Zuschauer stehen sollten oder mußten. Es wurde extra angesagt, dass, wer nicht hinter der Absperrung bleibt, sich in Gefahr begibt. Denn die rasenden Rentiere sind 50-60 km/h schnell. Das ganze wurde sehr lang und breit (auf norwegisch) eingeführt, und erstmal die Liste der Sponsoren aufgezählt, zu denen auch der Midnightsun -Marathon gehört. Da tat es mir ja schon leid, dass wir zu der Zeit nicht in Tromsö sein werden. Dann gegannen die einzelnen Tiere vorbeizurennen, die jeweils einen Menschen auf Skiern hinter sich herzogen. Zwischen jedem neuen Start vergingen 5-10 Minuten. Viele haben versucht, die Athleten ohne Geweihe zu fotografieren. Geklappt hat es wohl bei Keinem, denn sie waren wirklich verdammt schnell. Nett wurde es erst, als wir zur Startbox gingen, in deren beiden Kammern später auch 2 Tiere mit zu ziehenden Menschen warteten, bis die Klappen vor ihnen geöffnet wurden. Nach einer dreiviertel Stunde glaubten wir eigentlich Alles gesehen zu haben. Und weil meine spastischen Muskeln beim Herumstehen in der Kälte wehtaten, war ich froh, dass die anderen auch nachhause wollten. Ich persönlich fand am Schönsten, mich noch von einigen Leuten verabschieden zu können, die mit Anja in wenigen Tagen aufbrechen werden. Als wir gingen, lag übrigens Rentier Tsunami in Führung, das in Norwegen natürlich „Tsünami“ ausgesprochen wird

Und nach Ankommen, Auftauen und spätem Mittagsschlaf für Mats haben wir erstmal den letzten Abend für mehr als 2 Monate in Tomasjord, direkt am Tromsö-Sund. Seit Donnerstag ist Oma Hanne da und versucht schon mal, sich an ihre Rolle als Ersatzmutter zu gewöhnen. Und Mats ist schon ziemlich neugierig: Er weiß, dass er am Montag früh mit Hanne und mir nach München fliegen wird. Dort holt uns Opa Walter ab und bringt uns zum großelterlichen Haus bei Garmisch-Partenkirchen. Dort wird Mats die nächsten Wochen bleiben, während ich nach einem einwöchigen Schlenker nach Wien in die nahgelegene Murnauer Unfallklinik zur stationären Reha gehe und Mats nur am Wochenende sehe. Anja holt uns Ende März ab und macht mit uns noch Urlaub. Erst am 19. April fliegen wir wieder nach Hause. Nach Tromsö. Erst dann wird der Blog weitergehen. Bis dahin bin ich nicht über Whats App erreichbar, via e-mail wahrscheinlich schon. Ich wünsche uns allen: Ha en fin tid!

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Die Zeit, in der einem alles um die Ohren fliegt.

Anja ist heute mulmig geworden angesichts der Ereignisse auf dem Forschungsschiff, auf dem auch sie  in 2 Wochen arbeiten wird: Die Lance steckt in einem starken Orkan mit über 40 Metern pro Sekunde Geschwindigkeit. Das ist deutlich jenseits Windstärke 12. Einige Messinstrumente sind noch auf dem Eis, in dem die Lance eingefroren ist. Anja ist zuversichtlich, dass der Wettermast so gut im Eis verschraubt ist, dass er noch steht, wenn auch dieser Orkan vorüber ist. Ich habe heute eigentlich nur meine Übungen und etwas Hausarbeit gemacht. Die Witterung hat mich aber auch dabei eingeholt: Die Gemeinde Tromsö hat mir eine sms geschickt, in der sie die Nachteile bedauert, die mir dadurch entstehen, dass nicht überall gestreut ist, obwohl der zuständige Unternehmer ohne Pause daran arbeitet. Aber es sei ja nur für kurze Zeit (en kort periode) steht am Ende. Das werden die Leute auf der Lance auch hoffen. Aber die sitzen ja ohnehin ganz gemütlich in der Messe, und wissen nichts von der Aufregung, die ein Übermittlungsfehler vom Schiff ans Institut dort ausgelöst hat: Nicht Meter pro Sekunde; über 40 Knoten muß es heißen. Nachdem Anja das gemerkt hat, konnte sie erstmal ruhig Luft holen und freut sich jetzt wieder auf ihren Schiffs- und Außeneinsatz. Denn ihre Kolleginnen und Kollegen können schliesslich alle auf sich selbst aufpassen.

Biologie nach dem Besuch eines norwegischen Kindergartens

Die Glättesituation war natürlich noch genau wie am Freitag, als ich Mats vom Kindergarten abholte. Wie sollte sich das auch ändern, wenn die Höchsttemperatur der letzten 3 Tage minus 6 Grad betrug. Ich mußte Mats also immer noch so an der Hand nehmen, dass ich sein Gewicht vollständig übernehmen kann, wenn er wegrutscht; und die Gefahr ist auch bei gestreuten Pfaden ganz real. Von außen betrachtet bestimmt ein interessantes Bild: ein halbseitig Gelähmter auf Spikes versucht einen 3jährigen in gefütterten Gummistiefeln vor dem Rutschen zu bewahren. Das Problem ist  der Griff. Versuche ich mit der benutzbaren Hand in einem gestrickten Wollhandschuh seine Hand in einem Kunststofffäustling am Ende eines kunststoffanzugs zu greifen, erlahmt meine rechte Hand ziemlich schnell. Deutlich besser geht ist der Griff, wenn ich meinen Handschuh ausziehe. Aber dann beginne ich nach einer Minute, meine Hand nach Erfrierungssymptomen abzusuchen. Es läuft auf eine sich ständig ändernde Mischung aus beidem hinaus. Mats stört das ständige Anhalten im eisigen Wind nicht. Er scheint Kälteunempfindlich. Als wir in der Wohnung sind, Mats seinen Nachmittagsjoghurt ißt und ich daneben sitze, um herauszufinden, wie es im Kindergarten war, werde ich durch folgenden Dialog für alle witterungsbedingten Widrigkeiten entschädigt:

Mats mit eifriger Begeisterung über die eigene Altklugheit: „Augen sind zum Sehen da!“

Ich: Und wozu sind die Ohren da?“

Mats: Damit wir besser hören können.“

Jens: „und wozu haben wir eine Nase?“

Mats sehr abgeklärt: „damit Popel drin wachsen.“