Mediterran

Wenn morgens früh (so gegen 5 Uhr, wenn Mats es in seinem eigenen Bett nicht mehr aushält) die Stadtinsel beleuchtet wird, das Meer rundherum azurblau aussieht, wirkt die Szenerie wie am Mittelmeer. Wenn ich mir dann noch die schneebedeckten Berge hinter der Brücke nach Tromsöya anschaue, dann kommt eigentlich Alles zusammen, um Tromsö als Ort für einen Traumurlaub zu verkaufen. Oder sich um die Ausrichtung der olympischen Winterspiele zu bewerben. Aber dazu sind die Norweger bestimmt zu klug. Und ich schalte in solchen Momenten die Ratio einfach aus und freue mich, hier zu sein.

2 Gründe sprechen dagegen, dass Anja an dieser Stelle ein entsprechendes Bild beisteuert: Erstens müßte das beschriebene Foto früh morgens aufgenommen werden. Und zweitens ist die Liebste krank.
Gute Besserung!

Gute Idee.

    Seit Tagen schon will Mats draußen auf dem Balkon zu Abend essen. Den Erwachsenen war es bisher immer zu kühl. Aber nachdem die Sonne unsere Außenterasse den ganzen Tag aufgeheizt hatte, haben auch Anja und ich heute mit Genuß draußen gegessen. Nachdem Mats den ganzen teilweise steilen Weg mit mir zu Eurospar und zurück gegangen ist, ohne auch nur einmal sein Laufrad zu verlassen, hat er aber sowieso verdient, dass wir machen, was er will. Und sei es sowas Norwegisches wie Abends bei 3 Grad Außentemperatur draußen zu essen.

Als um 18.50 die Hurtigruten vorbeifuhr, waren wir allerdings schon fertig.

Danke.

Ich schreibe zwar schon seit Tagen, ohne dass ich mich deswegen stresse, möchte mich aber nocheinmal ausdrücklich bei den Lesern bedanken, die die Fortführung dieses blogs gewünscht haben.

„Ihr habt gewonnen.“ könnte ich nun sagen, wenn man mich denn zum Jagen hätte tragen müssen. Muß man aber nicht. Ich schreibe ja auch ganz gerne und bin froh, wenn das auch noch gelesen wird. Nur stressen lasse ich mich dabei nicht und werde nichts schreiben, ehe ich mir was aus den Fingern saugen muß. Muß ich heute aber gar nicht. Heute haben wir wie angedeutet das Auto gebraucht, um an einen schwer zugänglichen Platz zu fahren. Das heißt, für mich war er schwer zugänglich, nachdem wir den Wagen abgestellt hatten. Und Anja mußte mich zumindest zum Jagen stützen. Fische-Jagen war der Plan. Und ich hätte auch als alter Vegetarier mitgegessen, wenn Anja denn selbst einen Fisch geabgelt, getötet und zubereitet hätte. Aber vor dem Vor-der-Schnur-Warten, war ja erstmal das Kommen zum verabredeten Platz angesagt. Ich habe ja in Murnau eine neue Schiene bekommen. – die beste, die ich je hatte, habe ich bis heute gesagt. Für die Wohnung genauso geeignet wie auf Asphalt oder querfeldein. Nur bedeutet querfeldein in der alpinen Umgebung der Klinik in Murnau etwas ganz anderes als in der halb bergigen Küstenumgebung von Tromsö. Es hat sich mal wieder herausgestellt, dass off-road-Expeditionen auf norwegischen Pfaden einfach nichts für mich sind, egal mit welcher Peronäus-Schiene ich ausgerüstet bin. Punkt. Gut, dass Anja 2 Arme hat. Obwohl Mats beim Gehen auf den erwähnten Pfaden schon sehr quengelt, wenn ich einen davon beanspruche.

Nachbarschaftshilfe

Während wir in Deutschland waren hat irgendein unsichtbarer Verbraucher die Batterie unseres Autos vollkommen leergesaugt.Ein Ladegerät war relativ schnell ausgeliehen und eine Kabeltrommel aufgetrieben. Funktioniert hat es nicht. Ob das Ladegerät zu alt, oder der Stromanschluss in der Tiefgarage defekt ist, werden wir wohl nie herausfinden. Jedenfalls hat es nicht funktioniert. Zum Glück haben wir Starthilfekabel. Heute Morgen hat Anja den erstbesten Nachbarn in der Tiefgarage um Starthilfe gebeten. Der sagte sie auch gleich zu, mußte aber erst seine Tochter in die Schule bringen und käme dann zurück. In der Zwischenzeit kam jemand anders mit dem gleichen Problem vorbei. Aber danach kam der erste Nachbar tatsächlich von der Schule zurück und half Anja, unser Auto anzuwerfen. Da Anja nun ja sowieso noch eine Weile fahren mußte, um die Batterie etwas aufzuladen, konnte sie gleich das rurale Umfeld unseres Wohnsitzes erkunden, in dem wir bisher nie waren. Dass zwischendurch noch andere, zufällig des Wegs daherkommende Norweger um Starthilfe gebeten werden mußten. – egal. Erwähnenswert  nur, dass Norweger nicht vollkommen unerfahren darin zu sein scheinen, in der Pampa liegen gebliebenen Fremden Starthilfe zu geben. Auch wenn man sich – wie überall – wohl nie wieder sehen wird. Als Anja nach der Arbeit nach Hause fahren wollte sprang der Wagen einfach an. Und weil alles so gut funktioniert hat, konnte sie gleich noch ein paar Einkäufe erledigen, die seit unserer Rückkehr von diversen Listen gerutscht waren. Morgen werden wir den Wagen gleich wieder brauchen.

Auf Spikes in den Mai?

Heute um 10uhr 10 schrieb Anja, ich solle die Sonne geniessen. Tatsächlich hatte ich vor lauter Training – ich bin längst wieder  meiner Heimtherapieroutine verfallen – noch gar nicht gemerkt, dass es im Wohnzimmer ungewöhnlich warm geworden war. Dass die schneebedeckten Gipfel in der Ferne ihre bestimmt mythischen Häupter heute in Wolken gehüllt hatten, war mir schon aufgefallen. Aber wie nun die Sonne geniessen? Auf dem Balkon kam angenehm frische Luft dazu, aber kühl war es doch. Zu kühl, um Stühle an den großen runden Tisch zu schieben. Selbst in der Daunenjacke war das noch nicht zu geniessen. Iris, die in ihrem letzten Kommentar schon etwas von selbstgezogenen Tomaten auf unserem Balkon lesen wollte, kann ich nur sagen: Dieses Jahr sicher nicht mehr. Damit hätte ich schon spätestens im März anfangen müssen, anstatt faul in irgendwelchen Kliniken oder Ferienhäusern herumzuhängen. Nächstes Jahr versuch ich es dann aber richtig, wenn nicht etwas ganz Wichtiges dazwischen kommt. Den Übergang von der polaren Nacht zu langen Tagen genauer mitzubekommen, zum Beispiel. Im Moment ist es bis 23Uhr noch hell, und wenn ich um 4 Uhr aufwache, schon wieder. Und meine größte Befürchtung hat sich auch nicht bewahrheitet: dass ich auf dem Weg zum Kindergarten noch Spikes an den Schuhen brauchen würde, wenn wir Ende April nach Tromsö zurückkehren. Noch nicht mal auf dem Rollfeld bin ich ausgerutscht, nachdem der Flieger aus Oslo gelandet war.

Schiffe machen, was sie wolln

Tromsö hat uns wieder. Obwohl wir noch nie im April hier waren. Es ist sehr klischeemäßig. Der Sund weht waagerecht in Bindfäden zum Kindergarten. Aber Mats macht das nichts aus. Er hat ohnehin den größten Teil des Tags draußen gespielt und mußte, als ich kam, nicht umgezogen, sondern nur mit einem Schlauch abgespritzt werden. Angeblich wollte die Erzieherin so den Matsch von den Draußen-Klamotten entfernen. War wahrscheinlich ein Fingerhut voll Schlamm, der nun vor der Tür der Blauwal-Gruppe übernachtet. Der Rest ist in unserem Bad. Zuhause angekommen, konnte ich gleich noch eine Grobreinigung vornehmen. Was Mats sehr langweilig fand. Wahrscheinlich fast so langweilig, wie selber etwas sauber zu machen. Aber im Schietwetter auf dem Weg nachhause hat er aber gar nichts gesagt, der tapfere kleine Kerl. Sonne gab es tagsüber aber auch. Ist ja auch April. Die nach Plan verkehrende Hurtigruten wußte das und glänzte bei der Hafeneinfahrt wie frisch gestrichen.

Betonung hinten

Nun sind wir ganz munter wieder da, und ich habe am Morgen nach unserer Ankunft auch nur ein paar Stunden gebraucht, um mich wieder zurecht zu finden. Aber der Reihe nach: unser erster Dank gebührt den norwegischen Mitarbeitern von SAS. Auf dem Hinweg am 9.2. hätten wir in Oslo den Anschlussflieger nach München kaum erwischen können, weil unsere Maschine nach Oslo in Tromsö bereits mit so viel Verspätung startete, dass unsere gesamte Umsteigezeit in Norwegens Hauptstadt dadurch aufgefressen wurde. Aber unser Flieger wurde in Oslo so geparkt, dass wir ohne Terminalaufenthalt quasi gleich in die Maschine nach München umsteigen konnten. Und unser Gepäck ist auch noch nach München mitgekommen. Ich hab´s dann gleich sehr gut getroffen, weil ich noch eine Woche bei Danica und Wolfgang in Wien verbringen durfte, bevor ich in der Murnauer Klinik eincheckte. Mats hatte es bei Oma und Opa aber auch nicht schlecht: Schon bei meinem ersten Wochenendurlaub von der Klinik hat mir der Kleine das Haus von Anjas Eltern erklärt – angefangen mit den für mich so wichtigen Clos. Schon in einer Woche war das sein Revier geworden. Für mich ist das BG- Krankenhaus in Murnau ja auch längst zu einer Art zweitem Zuhause geworden, in dem mich jedes bekannte Gesicht wiederzusehen freut. Und meine Physiotherapeutin hat etwas ganz Neues mit mir ausprobiert: City-Roller-Fahren. Am Anfang war mir ja schon mulmig, aber nachdem ich mich drauf eingelassen hatte, hat es großen Spass gemacht. Wie die Hippo-Therapie. Die ersten Stunden auf dem Pferd waren noch ziemlich schmerzhaft, aber dann setzte eine erstaunliche Lockerung der Hüftmuskulatur ein. So wie morgens bei der Ergotherapie, bei der Sandra Finger und Hangelenk erstmal in ein Eisbad steckte. Nach einigen schmerzhaften Sekunden, ging auch hier die Spastik deutlich zurück. Das war zugleich eine seltsame Verbindung zu Anja, deren Finger mein Eisbad wohl als Wohltat empfunden hätten, wenn sie bei minus 35 Grad auf dem Eis arbeitete. Zum Glück konnten wir täglich e-mails austauschen, so dass ich wußte, dass es ihr dabei gut ging. Die Erkältung, die sie sich schon beim Überlebenstraining auf Spitzbergen eingefangen hatte, habe ich erst mit 2monatiger Verspätung auf unserer Woche Italienurlaub bekommen. Der damit verbundene Schwächeanfall bei fiebrig hohem Anfallsrisiko hat mir – zurück bei den Schwiegereltern – 2 Nächte Krankenhaus eingebracht, das ich dann aber ohne weitere Infektionssymptome verlassen konnte, die mich gestern trotz allem Gehetze beim Umsteigen auf dem Osloer Flugplatz nicht wieder eingeholt haben.

Nun frage ich alle Leser: Soll ich diesen Blog, wo die Norwegeneinwanderungsphase ja nun eigentlich vorbei ist, einstellen, oder besteht – zum Beispiel bei Leuten, die nur ungern mails schreiben, aber dennoch auf dem Laufenden bleiben möchten – der Bedarf, hier weiterzulesen? – Ich bitte um Rückmeldungen! Und so ganz schien mir die Ankommensphase doch noch nicht vorbei zu sein, als wir gestern im Taxi Nachhause sassen: Es war wohl ein Lokalradio, das der Fahrer eingeschaltet hatte – jedenfalls schallte dauernd der Name unseres Wohnorts aus den Lautsprechern:“Trumßö! Trumßö! Trumßö!“ Aber jweils auf der letzten Silbe, also dem „ö“ betont. Und das war für mich ganz neu. Eine Kleinstadt mit Universität und Flughafen. Und einem Namen, der sich am Besten im Radio aussprechen läßt. Im Privatradio, versteht sich. Immer vor der Werbung oder schon als dessen Bestandteil.