Spielplatzbekanntschaften

Bei meinem Abendspaziergang kam ich heute auch am Spielplatz vorbei. Ein etwa 10jähriger Junge sprach mich an und deutete auf seinem Arm. Ich erklärte ihm auf Norwegisch, dass ich kein norsk spreche, sondern nur englisch oder deutsch. Dann lief er zurück, und ich hörte noch ein wildes Durcheinander von Kinderstimmen. Kurz darauf überholte mich ein etwa 12jähriges Mädchen und fragte in lupenreinem Schulenglisch „what happened to your arm?“ Ich erklärte ihr, dass es keine Sache des Arms sei, sondern des Gehirns. Sie hat es offenbar verstanden und liess sich zurückfallen. Ich hoffe, dass ich ihr nochmal begegne, wenn Mats dabei ist. Wäre für ihn vielleicht eine Art, Bekanntschaften zu schliessen. Aber heute war lille Mats natürlich bei den Großeltern in der Hütte am Fjord. Anja ist auch hingefahren. Morgen kommen sie wieder…

grandios

blogbild_huetteSeit Mittwoch sind Anjas Eltern da. Sie sind mit der Hurtigruten gekommen, mit der „Polarlys“, um genau zu sein. Das hat Mats schwer beeindruckt. Nach 2 Nächten bei uns haben Hanne und Walter heute ihre Hütte am Fjord bezogen, in der sie bis zum 5.6. wohnen werden. Da Anja, Mats und ich schon am 4.6. nach Spitzbergen bzw. Hamburg fliegen, können die Großeltern noch ein paar Tage in unserer leeren Wohnung bleiben, bis der Hauptzweck ihrer Reise erfüllt ist: zum G7-Gipfel nicht zuhause in Garmisch-Partenkirchen zu sein. Anja hat Walter gleich die Angel erklärt: Und tatsächlich: Schon beim ersten Wasserkontakt hat ein Dorsch in den blanken, köderlosen Haken gebissen. Das Abendessen für Mats und seine Großeltern. Wir dachten ja noch, dass es ein großes Geschrei geben würde, wenn wir Mats in der Hütte am Fjord lassen, um selbst einen freien Abend zu haben. Aber spätestens die Sache mit dem Angeln hat ihn wohl davon überzeugt, am Fjord bleiben zu wollen. Der Abschied ging still wie noch nie, sogar mit Bussi und „Haddebra“. Ob das nun an Oma und Opa liegt oder an der 2stöckigen Hütte am Fjord werden wir in den nächsten Tagen erfahren. Es ist bestimmt beides, und drauf können sich Oma Hanne und Opa Walter schon mal etwas einbilden. „grandios, so einen freien Abend beschert zu bekommen“ sagte die Liebste gerade, als wir mit ein paar Häppchen auf unserem Meerblickbalkon saßen und eine Flasche Wein öffneten, die wir mal geschenkt bekommen hatten. Da hat sie Recht.

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Züchtigung

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Heute sind wir ohne Zwischenfall ins Polarmuseum gekommen. Ich hätte mir zweisprachige Erklärungen an jedem Schaukasten gewünscht, da ich als Einhänder nicht mal eben im Stehen den Führer aufschlagen kann und die norwegischen zu übersetzen den Aufenthalt zeitlich mindestens verdoppeln würde. Aber sonst war das Polarmuseum interessant. Ich werde es mir wohl irgendwann in Ruhe nochmal ansehen. Mein Interesse an der Polarforschung wurde wieder geweckt, und ich habe danach bei Wikipedia noch einiges nachgelesen. Außerdem wurde wieder ein Schauspiel gegeben, das letztes Wochenende schon mal aufgeführt wurde: Auf einer kleinen Landzunge, ca. 500 Meter südlich von unserem Haus stehen schwarze Ringe am Ufer, die wahrscheinlich aus Metall sind. Die drei der vergangenen Woche wurden tagsüber ins Wasser gelassen, verbunden und am Abend von einem kleinen Kutter Richtung Norden weggeschleppt. Natürlich gibt es keine Erklärung für die Anwohner, was das wohl sein soll. Unsere einzige Vermutung:  Die Ringe werden für eine Aquakultur im Sund gebraucht. Vielleicht werden dort Biodorsche gezüchtet. Oder eine andere hiesige Spezialität. Polarforscher zum Beispiel…

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ausgeglichen

Bei der Aufnahme hat der Sanitäter „epileptisk Anfall“ gemurmelt. So wissen wir das auch schon mal. Wieso mich heute mittag, als wir nach einem gemütlichen Frühstück in die Stadt fuhren, um endlich mal ins Polarmuseum zu gehen,  während des Gehens von der Bushaltestelle zum Ziel ein solcher Anfall erwischt hat, werden wir wohl nie wissen. Das Krampfen hat Anja mittels einer Tablette Tavor stoppen können, so dass ich, nachdem die von Passanten gerufene „Ambulanse“ ankam wieder klar im Kopf war, und dem Fahrer des Krankenwagens die genaue Adrese, den Türcode und die Lage unserer Wohnung sagen konnte. Aber kommen mußten die Sanis schon. Nach so einem starken Seditativum gehöre ich ins Bett und in kein Museum. Auch langwährende Diskussionen über die möglichen psychologischen Hintergründe hat Frau Doktor sich verbeten. Die ersten Stunden im heimischen Bett waren entsprechend langweilig. Aber irgendwann fühlte ich mich wieder vollkommen fit. Anja versuchte mich zu bremsen, denn ihre Erfahrung ist, dass ich dann trotzdem noch neben mir stehe und zu höheren kognitiven Gesprächs- und Denkleistungen noch nicht in der Lage bin. Nach dem Abendessen habe ich mich dann quasi in meine Normalität hineingeschlichen. Ich konnte die Müllsäcke nicht mehr in der Wohnung liegen sehen und habe sie runtergebracht. Normalerweise würde ich das mit Elektrostimulationstraining für meinen linken Fußheber verbinden, aber diesmal wollte ich sehen, was ich ohne elektrische Impulse und mit normalem Schuhwerk kann. Ich kam auch fast so gut runter wie beim Training. Nur konnte ich die letzten Stufen jeden Absatzes nicht wie mit Gerät alternierend und ohne Handlauf nehmen, sondern mußte mich mit diese letzten Stufen mit dem rechten Ellenbogen etwas abstützen. Die ersten Stufen kam ich ohnehin nur im Nachstellschritt herunter – wie beim Elektrotraining auch. Also keine große Verschlechterung, Der Interessante Teil kam jetzt. Ich mußte ja auch wieder hoch in die 5. Etage (wobei das Erdgeschoss in Norwegen immer als erstes Stockwerk gezählt wird). Beim regulären Elektrostimulationstraining hätte ich nun den Lift benutzt, um das Auf und ab des Fußes in der Wohnung im Sitzen fortzusetzen. Aber ich war nuigierig und wollte sehen, was von dem täglichen Training auch schon im Alltag angekommen ist. Und so habe ich  einfach ausprobier,t wie weit ich mit alternierender (also ganz normaler) Schrittfolge und ohne Handlaufberührung nach oben käme. Ergebnis: bis in die femte (norwegisch für 5.) Etage. Ich hatte mir vorgenommen, das zu können, bis wir eines Tages (wahrscheinlich 2016) hier ausziehen werden. Dass ich es jetzt schon kann gleicht schrecklich überflüssigen Anfall ja fast schon wieder aus.

Winter adé

Schon seit vorgestern benutze ich draußen nicht mehr meine Daunenjacke. Heute habe ich meine Frühlingsjacke direkt übers T-Shirt gezogen und hänge die Winterjacke nun bis Ende September weg. Auf den umliegenden Berrgen (auch den kleineren) liegt zwar immer noch Schnee, aber ich bestimme heute „dresscode Frühling“. Ganz ohne besondere Klamotten war ich heute bei der Polizei im „immigration office“ Seitdem bin ich offizieller Einwohner Norwegens undbekomme nun meine eigene Sozialnummer , mit der ich dann meine Medikamentenpakete ohne aufwendige Korrespondenz mit dem norwegischen Zoll erhalte und hoffentlich herausfinde, was die norwegischen Mediziner neurologisch draufhaben.

Happy Birthday

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Stellt Euch vor, Deutschland wird Fußballweltmeister, und alle gehen hin. Alle machen auf schwarzrotgold und lassen sich und ihre Mannschaft hochleben. Ich möchte gar nicht wissen, wie es letztes Jahr in Norwegen ausgesehen hat, als sich die Verabschiedung des Grundgesetzes des Königreichs Norwegen zum 200. Mal jährte. Ich möchte sowieso nichts von Nationalbegeisterung wissen und bin darum der großen Parade auch ferngeblieben, auch wenn andere Einwanderer meinen, einmal sollte man sich das schon anschauen. Bei Anja hat die Neugier gesiegt und sie ist hingefahren. Mats natürlich mit. Und weil alle Geschäfte schon seit Wochen voll sind mit Fahnen in allen Größen und aus allen Stoffen, Wimpeln und dergleichen, hat der Kleine auch endlich seine eigene Fahne bekommen, die er heute schwenken durfte. An anderen Nationalfeiertagen marschieren auch die Kindergartenkinder in Gruppen ihrer Einrichtungen bei den Paraden mit. Seine Kollegen waren heute zur Parade einer benachbarten Schule geladen. Aber da die große Parade in der Innenstadt (da, wo neulich das Rentierrennen war) natürlich viel spannender ist, haben Frau und Kind den Tag heute dort verbracht. Und wegen meiner Patriotismusallergie hatte ich heute einen freien Tag. Da könnte ich ja fast Hurra rufen. Aber nur fast. Eigentlich liegt mir bei all dem, das ich schon abseits der Paraden gesehen habe, eher Obelix auf der Zunge: Die spinnen, die N… Nach der Rückkehr meiner Liebsten kann ich das aber nicht mehr so stehen lassen. Sie sagt, es sei keineswegs so bierernst gewesen wie bei deutschen Umzügen zum Beispiel, sondern lockere Volks- und Familienfestatmosphäre habe geherrscht. Außerdem haben die Norweger auch Leute anderer Nationalitäten mitgehen lassen, die heute bestimmt keinen Verfassungstag haben. Afrikaner in wallenden bunten Gewändern seien zu sehen gewesen, schottische Kilts und.. Lederhosen.

freie Zeit

Tromsö ist international. Arbeiter, Passanten und Busfahrer sprechen ganz selbstverständlich englisch, wie ich heute feststellen konnte, als ich auf dem Weg zu einer Einwanderungsangelegenheit war und von einem Bauarbeiter aufgeklärt wurde, dass das entspr. Office im Februar umgezogen sei. Wegbeschreibung zum neuen Standort gab´s auch, die von diversen Passanten korrigiert wurde und bei einem Busfahrer endete, der mich genau dort absetzte, wohin ich wollte. Im Einwanderungsbüro sah es auch so aus , als warteten die Insassen eines mittelgroßen vor Lampedusa am vorm Sinken bewahrten Bootes auf ihre Anerkennung als Bewohner Norwegens. Ich kenne einen solchen der ist drei und zeltet heute mit seiner Mutter in der Wildnis von Kwalöya. Warum ich nicht dabei bin, hat Mats heute am Telefon seiner Großmutter erklärt: „ Mein Papa kommt doch aus dem Zelt nicht mehr raus.“ Das hat auch seine Vorteile: einen ruhigen Abend und morgen früh ausschlafen.

Bällebad

Heute war ein verregneter trüber Tag, in dem wir natürlich etwas drinnen unternehmen wollten. Und sei es der Innenraum des Hurtigrutenschiffes „Nordkapp“. Das ist das mit dem Bällebad in der Spielecke, auf das Mats schon lange gewartet hat. Zum letzten Mal vor ein paar Monaten gab es große Unterschiede: Mats hat sich viel souveräner in der Spielecke bewegt und ist die Rutsche ins Bällebad auch rückwärts heruntergerutscht. Danach hat er Bälle ins Krähennest gelegt, ist hochgeklettert und hat sie wieder runtergeworfen. Danach hat er sogar noch angefangen, ganz allein zu malen. Und die Eltern saßen ein paar Meter entfernt bei Kaffee und Waffeln an einem runden Tisch, haben zugeschaut und sich gefreut. So soll es, glaube ich, sein.

Tage im Mai

Rchtig dunkel wird es ja schon lange nicht mehr. Das hat den Vorteil, dass man abends mehr machen kann, weil man nicht so müde ist und den Nachteil, dass man morgens nur schwer hochommt, weil man müde ist. Wobei unser kleiner organischer Wecker trotz einer gewissen Rest- und Ritzenhelligkeit in seinem Zimmer eigentlich ganz gut schläft. Und meistens auch bis 4 Uhr. Das wäre aber die Zeit, zu der die Eltern ohnehin aufwachen würden, weil dann die Möwen ein infernalisches Geschrei anstimmen (warum auch immer. Dabei müßte es hier vor verhaltensforschenden Ornithologen nur so wimmeln, dass ich sie ständig umrenne. – ist aber nicht so, obwohl hier deutlich mehr Vögel als Kühe wohnen), dass auch schon wir Frischluftfanatiker überlegen, das Schlafzimmerfenster nachts zuzumachen. Wie ich auf gelegentlichen abendlichen Spaziergängen feststelle, riecht es auch hier schon nach Frühling. Dafür ist es jetzt gegen 22 Uhr schon oder noch so warm, dass ich ohne Mütze und Handschuhe spazierengehen kann. War jedenfalls gestern so. Anja führt lieber ihr Rennrad spazieren. Und Mats hat zur Zeit so wenig Probleme damit, dass Anja abends öfter mal das Haus verläßt, dass er schon von sich aus fragt, ob sie heute abend wieder weg müsse. Falls ja, reicht auch ein einfaches „Hadde“ aus der Tür beim Gehen, und Mats erwidert es nur. Schon ziemlich cool, der Kleine. Zuweilen ist es ganz entspannt bei uns in Nordnorwegen, wo die Temperaturen auch schon fast jeden zweiten Tag zweistellige Werte erreichen.