Angeber

Es gab eine Zeit – in Ekel und noch gar nicht so lange her – da bin ich freiwillig so früh aufgestanden, dass ich um 5 Uhr in der Früh die Hühner versorgen konnte.

Morgen gilt es um diese Zeit ein Taxi zu versorgen, aber so richtig freiwillig ist das nicht. Meinetwegen hätte der Flieger gerne später starten dürfen, der uns nach Deutschland bringt: zum 70sten der Schwiegermutter, die sich danach der Gegenwart ihres Enkels erfreuen wird, während Anja noch ein letztes Mal für dieses Jahr aufs Forschungsschiff geht und ich derweil schon mal in Sachen Autorentätigkeit in Berlin und Baden-Baden vorstellig werde. Ich bin gespannt. Jedenfalls sind wir am 21. September in Tromsö zurück und ich werde dann – mehr als ein kurzes Jahr nach unserem Umzug bis fast ans Nordkap – von unseren Erlebnissen berichten. Und natürlich hoffe ich auch, ein paar mails von Lesern dieses Blogs vorzufinden, in denen berichtet wird, was die in Deutschland Gebliebenen eigentlich so machen, außer Platz für Flüchtlinge und Schwitzen. Machen wir hier heute aber auch. O- Zon Anja: „Das ist ja kaum auszuhalten“. Und bevor sie unter der kalten Dusche verschwand, äußerte sie noch die Vermutung, wir würden gerade die paar Tage im Jahr erleben, auf die die Einheimischen warten würden, um dann ihre Wassersportgeräte hervorzuholen: Wasserskeri oder Jettski mit Angeberstereoanlage zum Beispiel. Und wir müssen uns das dann anhören, wenn wir nicht die Balkontür zumachen und drinnen jämmerlich verwelken wollen.

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42

Dann eben heute.

Heute saßen wir alle zusammen beim Abendessen draußen und die Trollfjord fuhr vorbei.

Und was hat das mit Douglas Adams zu tun?

Ganz einfach: Heute waren es 21 Grad und für morgen ist das nochmal angesagt. Und dass am Dienstag um 5uhr 15 wieder das Taxi vor der Tür steht, um uns zum Flughafen zu bringen, kann ich ja auch schon mal verraten. Und sollte am 17.8.2015 noch etwas ganz Außergewöhnliches passieren, kann ich das ja immer noch schreiben.

P.S. Die zu erwartendende Temperatur für morgen mittag ist gerade auf 20 Grad nach unten korrigiert worden. Ist für hier zwar immer noch geradezu heiß, bedeutet für die Überschrift aber nurmehr „41“

Abschiedshitze

Ganz alleine sitze ich heute mit auf dem sonnendurchfluteten Balkon beim Abendessen und versuche zu erkennen, welche Hutigruten da an mir vorbeizieht. Nach dem normalen Rhythmus der Postschifflinie müßte es ja die „Trollfjord“sein, auf deren Dach wir vor 10 Tagen noch im heißen Whirlpool saßen. Ich kann ja den Namen der Schiffe ohnehin fst nie erkennen und im Gegenlicht dieses Spätsommerabends schon gar nicht, Aber wieso sitze ich hier alleine? Ich koche gerne etwas mehr, weil Anja froh ist, wenn sie Übriggebliebenes als Mittagessen mit in die Arbeit nehmen kann. Als ich gestern dieses üppige Nudelessen kreierte wußte ich zwar, dass Anja heute nicht bei der Arbeit ist, sondern mit Mats bei einer Art Fete von Kolleginnen, aber ich wußte noch nicht, dass diese Nachmittagsveranstaltung auch das Abendessen beinhalten würde. Hätte ich das gewußt, hätte ich meinem üblicherweise auf körperliche Verbesserungen abzielenden  Trainingsprogramm  eine kognitive Einheit „Mengenabschätzung“ hinzufügen können. Da ich das nicht habe, konnte ich auch ganz alleine von dem plötzlich zur Verfügung stehenden Abendessen profitieren. Nach dem Hochladen dieses Beitrags kommt dann der Nachtisch in Form eines guten Buches auf dem noch zu warmen und zu sonnigen Balkons. Und für alle, die in Deutschland unter 30 Grad und mehr zu leiden haben: Hier hatten wir um 17 Uhr offizielle 17 Grad Celsius. Aber in einer Woche schon wird sich Anja auf Spitzbergen etwas abkühlen können.

Tromsgeschichten

Heute muss ich wieder ran. Und Mats die Gutenachteschichte erzählen. Gestern sollte es nämlich unbedingt Thore machen, der heute leider zusammen mit seiner Schwester nach Hause geflogen ist. Komische Sache eigentlich: Jens und seine beiden Söhne sind durch das Geschichtenerzählen verbunden. Das ist ja schon selbst wieder eine Geschichte, wenn auch eine etwas kitschige. Ich hoffe, ich lebe noch ein paar Jahrzehnte, um zu sehen, was noch daraus wird. Und was Tromsö in unser aller Geschichten für eine Rolle spielen wird. Severina und Thore jedenfalls werden gerne wiederkommen. Das ist schon mal klar.

Jedem Nordmann seine Insel

Ausflüge in die hiesige Pampa haben erstaunliche Effekte: Zum einen hat es mich beeindruckt, wie jeder handtuchbreite Streifen Nutzfläche offenbar auch landwirtschaftlich genutzt wird. Zum anderen: In dieser Fjordlandschaft, in der das Meer wirklich überall vor der Hüttentür liegt, würde auch Vegetarier Jens früher oder spater Fischesser und – Fänger werden. Das gehört einfach hierher. Außerdem  hat unser heimisches Leitungswasser nun eine andere Qualität. Das in der Hütte in der Gegend von Malangen war so rostbraun und schmeckte so stark nach Eisen, dass die Klemptner beim Verlegen der Leitungen bestimmt gar keine Lötpaste gebraucht haben. Nach dem Duschen hätte jeder Künstler uns bloß zum Trocknen irgendwo im Garten arrangieren zu brauchen, um dann darauf zu warten, eine Metallskulptur zu bekommen. Zähneputzen war eine geschmackliche Herausforderung. Nicht, dass das heimische Leitungswasser nun ansatzweise mit dem in Hamburg mithalten könnte. Aber mit dem in Ekel. Immerhin. Wir trinken es jetzt bedenkenlos. Wenn sich das ändert, sind wir wohl wieder reif für die Hütte.huettenbild_malangen

Die Hütte

Malangenfuerblog

Von Donnerstag bis Sonntag wurde uns das ganz normale Wochenend- und Sommervergnügen richtiger Norweger zuteil: Die Hütte. Anjas Institut hat nämlich eine richtige Hütte am Fjord, etwa eineinhalb Autostunden vonTromsö entfernt. Und gerade als die großen Kinder da waren, durften wir sie nutzen. Es roch harzig in der Hütte, in der wir alle genug Platz fanden, und in deren großem Wohnzimmer wir Übriggebliebenen – wenn Mats denn in seinem Kuschelzimmer schlief – uns klassischen Gesellschaftsspielen wie Karten oder Würfeln hingeben konnten. Muß ja auch sein, wenn das W-LAN nicht immer stabil ist. Dabei konnten wir den ganzen Abend über den Nordfjord schauen. Denn mehr als das „bißchen grau“ hatten wir immer noch nicht zu bieten. Schliesslich haben wir ja auch Besuch. Und mit Abendessen-Angeln war auch nix.

schon ein bischen grau

Es ist viel los bei uns. Wohl deswegen bin ich schon seit ein paar Tagen nicht zum Schreiben gekommen. Seit Montag sind Severina und Thore da (Ihr letzter Koffer seit Mittwochmorgen). Es ist zwar nicht so, dass Mats jetzt ein vollkommen downgechilltes Kind wäre, das vergessen hätte, wie man ordentlich quengelt. Aber insgesamt freut er sich schon sehr. Thore hier, Severina dort. Die beiden Großen bekommen aber auch gleich ein sehr exclusives Programm: Hurtigruten mit Whirlpools auf Deck 9. „Trollfjord“ hieß das Schiff, auf dem wir gestern waren. Wie die Hummer kamen wir aus den Becken. Und gerade, weil das Wasser so heiß war, war es nach einer Gewöhnungsweile wohl auch gut für meine Spastik. Gut jedenfalls, das mal gemacht zu haben. Mats schien am Abend, als sie vorbeifuhr jedenfalls eine besondere Verbundenheit zur Trollfjord zu fühlen. Und weil die großen Kinder am Nachmittag mit Anja auch noch eine Bergwanderung gemacht hatten, hatten sie sich eine abendliche Entspannung bei einem Film auch wirklich verdient. Und die Erwachsenen durften auch mitschauen, sofern sie noch die Augen offen halten konnten. Und weil es draußen schon ein bißchen grau war, befand Anja, dass wir seit Ende April zum ersten Mal den Beamer anwerfen konnten. So hatten wir mal wieder etwas wie ein bißchen Heimkino.