Lärm

es fing schon in der Nacht an: der starke Wind blies die ganze Luft außen vor unserem offenen Fenster weg, was zu einem Unterdruck innen führte, der das Rollo gegen die Scheibe saugte, was ab 4uhr30 zu Quietschgeräuschen führte, die das Weiterschlafen unmöglich machten. Tagsüber wurde aus dem starken Wind schon ein richtiger Sturm aus südlichen Richtungen. Gut, das Mats nicht dabei war, als ich zur Therapie ging. Denn der Wind blies mich einfach so über die Strasse, ohne dass an vorbildhaftes Schauen nach links und rechts zu denken gewesen wäre. Heil und trocken zuhause angekommen, hatte Mats den Rest des Tages beim Blick aus dem Wohnzimmer das Gefühl, dass wir auf einem Schiff wohnen würden. Zum Glück nicht, kann ich da heute nur sagen. Und fahren würde ich auch mit keinem wollen. Anja mußte später noch mit dem Fahrrad über die Brücke. Das war zwar anstrengend, aber zum Glück hat es sie nicht geschmissen, wie letztes Jahr einmal. Als wir vor einer Woche wiederkamen, war es kalt(für jemanden, der aus Deutschland kam) und roch nach Winter. Geschneit hat es zwar bisher noch nicht, aber die Zeit, in der ich Mütze und Handschuhe noch in der Jacke lassen kann, wird sicher nur noch kurz sein. Mit Altweibersommer rechnet hier ja ohnehin niemand, aber noch ein bißchen Herbst, wäre ja schon was. Schlimm genug, das wir heute nacht wohl bei geschlossenem Fenster werden schlafen müssen. Solange wir morgen nicht als erstes Oropax besorgen wollen, geht’s ja noch. Und richtiger Sturm ist das ohnehin noch lange nicht.

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beschwingte Schritte

Eigentlich bin ich die Schritte sogar gestern schon weitergegangen. Schnelle Schritte. „Papa! Du rennst ja.“ meinte Mats als ich mit ihm die abschüssige Strasse vom Kindergarten nachause ging. Er fuhr auf seinem Laufrad, und ich hatte auch das Gefühl, ins Laufen zu geraten. Er fuhr mir jedenfalls nicht mehr so sehr davon. Heute bei Sten konnte ich bei allen Übungen endlich das Mantra in meinem Kopf installieren, mein Gewicht auf beide Beide zu verteilen. Das erleichterte einiges. Zuhause angekommen machte das Treppensteigen über 4 Stockwerke. – alternierend und ohne Handlauf – beinahe schon Spass. morgen wieder Therapie.

end of weakness

„Dank sei Peter“ hätte dieser Eintrag genauso heißen können, denn der hat mir ja im Wesentlichen das selbständige Reisen ermöglicht, von dessen heilender Wirkung ich sicher noch länger profitieren werde. „Dank sei Heike“ ginge auch, denn die hat heute Geburtstag und läßt, dass ich sie über meinen Aufenthaltsort in Deutschland belogen habe, nur das Verhältnis zu mir belasten, nicht aber das zu Mats, den sie bei unserem nächsten Deutschlandbesuch wieder bei sich aufnehmen wird.

Ich hatte heute meinen ersten Termin bei Sten, meinem Physiotherapeuten, dem ich natürlich genauso von der Großartigkeit der letzten Wochen für mich berichtete, wie auch von ihrem weniger rühmlichen Ende. Ich erzählte von meiner plötzlichen Schwäche, so detailliert mein Englisch das hergab. Dann konnte er diese Phase für offiziell beendet erklären. Denn ich hätte nichts von meinen Fähigkeiten verloren. Und so können wir morgen gleich noch einen Schritt weitergehen.

Ende des Heimwehs

Sind wir also wieder da.

Der Versuch einer sehr kurzen Form unseres Deutschlandtrips:

Anjas Mutter hat ihren 70sten in sehr schöner Form und Umgebung in der Pfalz gefeiert. Danach ging Anja aufs Schiff. Das war ein ganz anderes Projekt als das N-Ice (mit dem eingefrorenen Schiff) der ersten Jahreshälfte und auch nicht so schön. Mats war zu seiner Zeit bei den Großeltern nicht mehr als ein zufriedenes „gut“ zu entlocken. Und ich hatte eine super Zeit als selbständiger Alleinreisender. Erst in Berlin mit erfolgreicher Arbeit an einem fiktionalen Buchprojekt, das nun einem Verlag angeboten werden kann. Dann in Baden-Baden. Es hat sehr viel Spass gemacht, die Stadt und den Weg zum SWR darin wieder zu entdecken, der mir am Ende aber seltsame Mühe gemacht hat. Nachdem der Allgemeinmediziner nichts körperliches entdecken konnte, riet mir auch mein Hamburger Neurologe, mein Hirn auf eine aktuelle Veränderung (neues Hämatom?) durchleuchten zu lassen. Da es aber in Baden-Baden an dem dafür notwendigen Apparat fehlt, begab ich mich nach Hamburg, wo mein Hirn aufs Gründlichste untersucht wurde. Es wurde aber nichts gefunden, was meine Schwäche erklären konnte. Medizinisch beruhigenderweise alles beim Alten. Und nach dem vielen Gehen und Umsteigen auf der Rückreise kann ich das subjektiv nur bestätigen: Ich bin ganz der Alte, werde nun aber versuchen, mich mit neuen Kräften in den Alltag von Tromsö zu stürzen.

Bin schon gespannt, was Mats sagt, wenn er aus dem Kindergarten kommt. Denn der hatte zwischendurch furchtbares Heimweh. Vor Allem nach seinem Freund Lüdwig.