fröhliche Omalichter

LaternenMats.JPGDer 1. Advent stand im Wesentlichen unter der Überschrift „Lichter“. Anja hat mit Mats eine gespensterlaterne gebaut (die allerdings elektrisch beleuchtet ist,später bin ich mit dem Kleinen zur Hurtigruten gefahren. Die ehemals heiß und innig geliebte Nordkapp wird von Innen jetzt aber keines Blickes mehr gewürdigt, seit es in der Spielecke kein Bällebad mehr gibt. Außen hat sie immerhin Lichterkette und WeihnachtssternSo sind wir auch ungewöhnlich früh wieder zurückgekommen, damit Mats seine neue Laterne auch noch richtig im Dunkeln ausführen konnte. Als wir zurückkamen, brannten die Lichter am Weihnachtsbaum unseres Wohnblockes schon und ein paar große Kerzen und Feuerschalen auch. In der Wohnung war es eine Art fliegender Wechsel: Anja ging mit Mats Laterne laufen und ich sollte Abendessensvorbereitungen treffen. Doch ziemlich bald hatten sich die Leute unten am Baum zu einer Art Chor formiert, der jeden Moment zu singen anfangen würde; da zog ich mich wieder an. Im Fahrstuhl traf ich Mats und Anja, die meinte, die Leute seien weder Chor noch Kapelle, sondern einfach Leute, die beim Baum herumfrieren würden. Planänderung: Erst essen. Mats war gerade fertig, da fing die Blasmusik an: 3mal „O Du fröhliche“ und dazwischen „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“Mats amWohnblockweihnachtsbaum

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advent, advent

weihnachtsbaumTatsächlich wurden es Dienstag 4 Grad plus. Als erstes hat es die Schneemänner erwischt. Aus den Wegen wurden Eisbahnen. Auch in den folgenden Tagen blieb es ähnlich warm und ein großer Teil des Weges zum Kindergarten und dessen Innenhof blieben eine Eisfläche, über die ich auch mit Spikes kaum gehen konnte. Nur Mats ging auf dem Weg nachhause sogar rückwärts, als wollte er mir zeigen, wie gut man selbst auf blanken Gummistiefelsohlen gehen kann. Am Freitag nachmittag bemerkte er, dass auf der Einfahrt zu unserer Haustür ein Weihnachtsbaum lag.Er erinnerte sich noch an den, der letzten Winter dort aufgestellt war mit den Lichterketten. Man will ihn wohl pünktlich zum 1. Advent leuchten lassen, dachte ich mir. Und tatsächlich wurde er heute mittag, als Anja und Mats beim shoppen waren, aufgestellt, und Lichter wurden darumgeschnürt, als wäre der Baum das Paket und die Lichterketten das Paketband. Als ich hinunterging, um ein Bild davon zu schiessen und nachzuschauen, ob die Birnenkabel auch verknotet wurden, wäre ich beinahe schon direkt vor der Haustür hingefallen. Die sonst immer trockenen Holzbohlen davor waren vollkommen vereist. Der Weg dahinter bis zum Müllrohr war die Tage davor immer eisfrei gewesen, so dass ich keine Nägel unter den Schuhen brauchte, um die Mülltüten wegzubringen. Heute regnete es und der Regen gefror am Boden sofort.Und in der Nacht schien es auch schon geschneit zu haben. Die beiden Männer mit dem Weihnachtsbaum, die ich schon vom Wohnungsfenster aus gesehen hatte, schienen das nicht zu bemerken. Zwischen ihnen und mir lag ein Eismeer. Mein handy hat zwar eine Kamera, aber keinen Stab zum teilen der Wogen. Wahrscheinlich wird unser Baum morgen wieder mit Musik eingeweiht. Letztes Jahr haben wir uns vorgenommen, uns dabei ganz nah an die Nachbarn heranzupirschen. Machen wir auch. Wenn es keinen Eisregen gibt.

rutschen trotz Spikes

 

verschneiterRodelbergundSundKlirrende Kälte haben wir nicht. Gerade mal minus 4 Grad. Genug, um die von Anja und Mats gebauten Schneemänner eine Weile zu konservieren und um mich wissen zu lassen, dass die Spikes an den Schuhen jetzt bis zum Frühjahr bleiben müssen, auch wenn es umständlich ist, die Nagellappen anzuziehen und damit herumzulaufen. Und auch, wenn es Dienstag schon wieder plus 4 Grad haben soll – der Winter hat uns nun.

Die Überschrift bezieht sich auf ein Ereignis am frühen Nachmittag. Auf dem Weg zur Bushaltestelle rutschte ich aus, was Mats so kommentierte: „Papa, Du bist ja hingefallen. Mit Spikes? Danach hat er es aber auch angemessen bewundert, dass ich von ganz allein wieder aufgestanden bin.

Mats als Polarforscher

winwinwin

Marieke selbst ist auch traurig. nicht nur, weil Mats so sehr in sie verknallt war, sondern auch, weil ihr der ganze Aufenthalt in Tromsö so gut gefallen hat. Bis auf Polarlichter hat sie eigentlich alles gesehen, Hurtigruten und Polaria mit Mats,von Fahhrrad und und Brücke, auch allein. Da die Seilbahn zum Aussichtsberg Winterruhe hat, mußte sie zu Fuß dort hinauf, um sich einen Überblick zu verschaffen. Zum Abschied gab´s einen solchen Schneesturm, dass wir für kurze Zeit dachten, ihr Flieger könnte gar nicht abheben. Ist er aber. War dabei wahrscheinlich aber so eingeschneit wie alles andere auch. Für Anja und mich war es jedenfalls der pure Luxus, dass sie da war. – auf diesem Weg noch einmal vielen Dank!

abgemeldet

Msts+Marieke_im _Vitensenter

Sonntag war Marieke mit Mats und mir im Vitensenter, einer Art Wissenschaftsmuseum, in dem gerade Kinder angesprochen werden, grundlegende physikalische Phänomene, besonders um die Themen Schnee und Eis, selbst nachzuvollziehen. Als am Montagmorgen gegen 6 Mats angetrappelt kam, stand Anja (deren workshop erst ab Dienstag auswärts ist) auf, um den Kleinen zu überreden, noch ein bißchen weiterzuschlafen. Aber er wollte gar nicht zu uns, sondern zu Marieke, die im Wohnzimmer auf dem Sofa schlief. Anja hat nicht gesagt, ob und wie es sie getroffen hat, auf einmal nicht mehr so gefragt zu sein, aber Mariekes Anwesenheit ist der pure Luxus für uns. Ich bin jetzt schon gespannt, wer die größeren Probleme damit hat, wenn sie am kommenden Freitag wieder nach Deutschland fliegt. Mats oder seine Eltern.

Mats als astronaut_ im_Vitensenter

moby black

Samstag Nachmittag kommt Marieke an. Mats´ Babysitterin aus Ekeler Zeiten. Sie hat Anjas Einladung und Flugticket angenommen, uns für eine Woche zu besuchen und mir zu helfen, während Anja auf einem workshop ist. Seitdem Mats auch nachts keine Windel mehr braucht, kommen wir zwar schon weitgehend allein zurecht, aber eben nicht ganz. Vor allem mit dem Anziehen gibt es noch Probleme. Aber nun kommt ja auch Marieke. Am Vormittag hatten wir noch Zeit für einen Ausflug an den kaldfjord, wo Wale schon die Heringsschwärme jagen. Und schon am ersten Halt hatten wir Glück. Ich meinte ich zwar gleich, ein Gewimmel von Finnen zu sehen. Das entpuppte sich aber bald als dunkles Gekräusel von Wellen. Weil aber Anja und ein Einheimischer die ganze Zeit Wale sahen, wußte ich, dass es an mir lag, und ich erinnerte mich an den letzten Winter: nicht mit zusammengekniffenen Augen ins Wasser sehen, sondern ganz entspannt. Wenn Walfinnen da sind, springen sie einem von ganz allein ins Auge. Durch ihr tiefes Schwarz und die klaren Umrisse. Das klappte auf Anhieb.Erst waren nur einzelne Finnen zu sehen, dann ganze Walrücken, dann ein gelber Fleck, der aus der linksseitigen Blindheit hereinschoß und sich als Motorboot erwies. Davon hätte ich am liebsten ein Foto geknipst, hätte ich meindy parat gehabt, denn die folgenden Wale waren für solche Schnappschüsse viel zu weit weg: Erst Buckelwale, dann Finnwale, dann Orcas, die ich wegen ihres noch schwärzeren Schwarzes schonvermutete. Das bestätigende Weiss an ihrem Kopf konnte ich im Gegensatz zu Anja nie sehen. Dafür war der Blas der Tiere heute beinahe besser zu hören als zu sehen. Eine Schule von 7 Orcas verfolgten wir über 20 Minuten beim Zug Richtung Osten. Mats fielen die vielen Vögel auf, die aus der Luft ihrem schwimmenden Futter folgten. Selbst das Gekräusel eines Fischschwarms an der sonst glatten Wasseroberfläche war zu sehen. Und weil ohnehin schon alles so war, wie aus einem Werbeprospekt von Walewatching-Touranbietern, beschlsossen wir irgendwann heimzufahren. Da tauchte der letzte Orca, den wir schon eine Weile beobachtet hatten, auch mit dem Kopf auf, so dass ich das Weiß darauf sehen konnte. Und als wäre das noch nicht genug, hielt er uns noch weiter in seinem Bann, indem er alle 30-50 Sekunden an der gleichen Stelle wieder auftauchte. Mit der richtigen Ausrüstung hätte man ein Portrait von ihm zeichnen können.

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Wiederholungen

Heute Mittag hat sich die Sonne noch mal so richtig angestrengt, zwischen den Bergen im Süden zu hängen und ordentlich zu strahlen. Da ist mir erst aufgefallen, dass wir das schon lange nicht mehr hatten. Alles ist schon auf die dunkle Zeit eingestellt. Im Kindergarten gibt’s ein Mjörketidsfest und in den Läden Dunkelzeitgebäck (zum Glück für Mats ist das ziemlich süß) Schon ab Nachmittag sind die Lichter der Stadtinsel die deutlich größere Lichtquelle als die Strassenlaternen auf unserer Festlandseite. Es sieht faszinierend gut aus, aber es fehlt das Staunen des ersten Winters. Ich frage mich schon, wie oft sich das wohl noch wiederholt. Auch in Ekel machen die Mieter schon alles winterfest. Ohne Fritz. Der Kater, der vor 14 Jahren auf dem Hof geboren wurde, und den alle, die regelmäßig da waren, in ihr Herz geschlossen hatten, ist überfahren worden. Nun muß seine Zwillingsschwester den Mäusejob alleine machen. Eine Nachricht aus der Heimat, die mich trauriger stimmt, als ich es für möglich gehalten hätte. Ein Tiernarr war ich schliesslich nie. Das rückt aber wieder die Frage in meinen Kopf, wie lange ich wohl noch beim Denken auf Meer und Berge blicken kann. Unser zuhause wird dann und dort sein, wohin es die kleine Familie verschlägt. Und es darf gerne Deutschland sein, merke ich deutlich, auch wenn ich dafür diese phantastischen Blicke aufgeben muß. Und meinen Physiotherapeuten.