weiterhin schwierig

Am Dienstag sah es erstmal ganz gut aus, als ich von der Therapie kam. Mindestens 5 cm Neuschnee machten das Gehen leicht.

Als ich vor unserem Haus um die Ecke bog, sah ich das Postauto vor der Eingangstür.Ein Anblick, der mich normalerweise froh stimmt, denn es könnte ja Post für mich gekommen sein. Der rote Lieferwagen kam schon rückwärts auf mich zugefahren, und ich ging zur Seite, um Platz zu machen. Dabei rutschte ich aus und stürzte heftig. Ich war auf des Wagens Reifenspuren getreten, die das Eis unter dem Neuschnee freigelegt hatten. Zum Glück konnte mir der Postbote wieder aufhelfen. Allen Symptomen nach zu urteilen, habe ich diesmal eine Gehirnerschütterung abbekommen. Aber da ich gestern und heute weitgehend im Liegen verbracht habe, bin ich jetzt wieder fit. Außerdem gibt es bei mir ja eh nur noch die Hälfte zu erschüttern.

Ich konnte heute auch wieder sehen, wie die Berge von der Sonne angestrahlt wurden. Seitdem ich das letzte Woche zum ersten Mal erleben durfte, war der Himmel so verhangen, dass da nichts mehr durchscheinen konnte.Von manchen Festern der Stadtinsel wurde die Sonne am Mittag so reflektiert, dass ich sie schon beinahe direkt sehen konnte. Das kan jetzt aber ohnehin nicht mehr lange dauern. Ich hoffe, ich kann das dann mit Anja ein klein wenig feiern, wenn hier zum ersten Mal unser Zentralgestirn über dem Wasser schwebt.

unentschieden

Weil es für alle Beteiligten ganz angenehm war, sind Anja und Mats wieder zu einer Hütte aufgebrochen. Diesmal zu einer, die nur einen Kilometer von der Strasse entfernt ist und die vielleicht sogar ich im Sommer erreichen könnte.
Aber noch ist ja Winter, und ich kann gar nichts erreichen. Es hat gestern geregtnet und trotz leichter Plusgrade ist alles gleich zu Superrutscheis gefroren, auf dem ich wieder trotz Spikes unter den Schuhen nur sehr schwer vorankam. Und allein bei dem Versuch haben meine linken Zehen so sehr gekrallt, dass die vorsichtige Bewegung auch noch schmerzhaft war. Als ich Mats gestern vom Kindergarten abholte, war es doppelt schwierig, weil ich auch noch Mats festhalten mußte, der sonst ständig ausgerutscht wäre. Er hat sich zwar immer bedankt, wenn ich ihn erfolgreich gehalten habe (und bot außerdem mir seine Hand an), aber wir haben es nur mit Ach und Krach bis nachhause geschafft. Dafür konnte ich heute mittag, als ich beim Elektrostimulationstraining aus dem Fenster schaute, von der Sonne angestrahlte Berge sehen. Die Polarnacht ist also zu Ende. Und ich weiß gar nicht, was überwiegt: das „bloß weg“-Gefühl, damit ich endlich (für meine Verhältnisse) wieder normal gehen kann. Oder angesichts der wunderbaren Natur die kontemplative Freude, am Ort dieser Schauspiele sogar wohnen zu dürfen.

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ein schönes Wochenende

Tatsächlich lag die Hütte in einem Funkloch. Aber dafür war sie groß und hatte einen Holzvorrat, mit dem man sie ein paar Tage hätte warmhalten können. Tatsächlich ist Mats auch in der Pulka eingeschlafen. Auf dem Hinweg. Zurück nicht mehr. Dafür war Anja vom Ziehen so durchgeschwitzt, dass ihre Klamotten auch nach einer halben Stunde Autofahrt noch quatschnass waren.Spas gemacht hat es den beiden auf alle Fälle. Nur das Plumpsklo war gar nicht nach Mats´ Geschmack. Schade, dass der Weg zu dieser Hütte für mich auch im Sommer nicht machbar sein wird. Da ist Anja leider sicher. Aber wer weiß, wie weit Sten mich bis dahin noch bringt.

Hüttenschreiben

Anja ist seit Neuestem Mitglied im norwegischen Gegenstück zum Deutschen Alpenverein. Dazu gehört ein Schlüssel für alle Selbstversorgerhütten der Umgebung. Mats und Anja probieren das an diesem Wochenende gleich aus. Ich darf ausspannen und zuschauen, wie der starke Schneefall immer wieder die Sicht auf die Stadtinsel homplett ausfallen läßt. Außerdem kann ich mich endlich mal konzentriert meinen fiktionalen Projekten widmen, von denen ich im Moment gleich 2 am Laufen habe. Dabei stelle ich fest. Ein richtiger Schriftsteller hat keine Zeit mehr für ein Patientendasein und die damit verbundenen Therapien. Ich könnte den ganzen Tag damit verbringen, meinen Figuren zuzusehen und versuchen, mit dem Schreiben hinterherzukommen. Was mich allerdings noch mehr beunruhigt: Seit Anja und Mats am frühen Nachmittag aufgebrochen sind, habe ich noch nichts von Ihnen gehört. Vom Ankommen in der Hütte, zu der Anja den Kleinen das letzte Stück vom Parkplatz in einer Pulka ziehen mußte, was Mats wahrscheinlich sehr genossen und trotz des vielen Schnees, der auf ihn herabrieselte, verschlafen hat. Auch vom Ankommen in der Hütte und dem ersten Anfeuern des Ofens, weiß ich nichts. Sollte die Hütte etwa in einem Funkloch liegen? Einen Ort ohne Mobilfunknetzabdeckung habe ich hier noch nie erlebt. Ich bin gespannt, was die beiden morgen berichten werden.

Himmelsschauspiel

Am Donnerstag war tatsächlich wieder alles normal und ich sogar um Einiges belastbarer als vorher. Sten fand es außergewöhnlich kalt obwohl es nur noch 5 grad minus waren. Und da auf dem Eis nun mehere Lagen Schnee liegen, kann ich darauf mit meinen nagelbestückten Schuhen fast so normal gehen wie im Sommer. So läßt es sich gut aushalten. Alleine heute hat es bestimmt schon 10cm geschneit, und Mats legt sich voller Vergnügen in den Schnee, wedelt mit den Armen und schaut sich danach die Figur an, die er im frischen Weiss hinterlassen hat. Wegen ihm, so scheint es, könnte es ewig Winter bleiben. Wenn sich Polarlichter zeigen, ist er allerdings schon im Bett. Diese Woche gab es ein spektakuläres: sehr deutlich, flackernd und in das übliche Grünweiß hatte sich sogar etwas Rosa gemischt. Aber mir wurde es auf dem Balkon etwas kalt und ich verliess ihn, um einen Pullover über mein t-shirt zu ziehen (ein Norweger bin ich definitiv noch nicht) Als ich nach 5 Minuten wiederkam, hatte sich das Schauspiel aufgelöst. So kann ich mit Nordnorwegen gut leben, obwohl ich eigentlich lieber wieder in Deutschland wohnen würde. – wie Mats auch. Das sagt er jeden Tag. Wobei Deutschland für ihn Ekel bedeutet. Aber dort wird es in absehbarer Zeit kein Polarinsitut geben Da sind wir uns sicher.

crowded

Als ich mich gestern früh (7 uhr) durch den Neuschnee zur Bushaltestelle kämpfte, fiel sofort auf, wieviele Leute an der Haltestelle standen. Wenn der Bus Verspätung hat, scheinen das die anderen ja schon immer zu wissen und kommen dementsprechend später. Nun standen sie aber schon alle da. Da war es doch viel wahrscheinlicher, dass die noch auf den vorherigen Bus warteten, der sehr viel Verspätung hatte. Die Wahrheit war schlimmer: der vorherige Bus war gar nicht gekommen, und nun warteten dieFahrgäste von 2 Bussen. Das war natürlich an den vorherigen Haltestellen auch schon so gewesen, und der Bus war schon voll, als er ankam. Netterweise machte eine ungefähr 10 Jahre ältere Dame Platz für mich(daran werde ich mich wohl nie gewöhnen), so dass ich einen Sitzplatz hatte. An den folgenden Haltestellen kamen aber immer mehr Passagiere hinzu, so dass es bald auch keinen Stehplatz mehr gab, Entsprechend eingezwängt war ich nun auf meinem privilegierten Platz, mit mindestens 2 Rucksäcken im Gesicht. An meiner Halteste am „Helsehuset“ wieder herauszukommen, war auch entsprechend schwierig, aber es gelang. Warum ich das schreibe? Sten merkte bei der Therapie gleich, dass ich nicht so fit war wie sonst, und wir rätselten, woran das läge. Nur die Busfahrt kam dafür in Frage. Aber das Phänomen der Überfüllung beschränkte sich nicht auf meine Linie. Sten war verständnisvoll, weil sein Bus auch crowded gewesen sei) und liess mich dann auch nur 40 statt 70 Kniebeugen machen. Regeneriert hat mich das auch nicht. Morgen, beim nächsten Mal werde ich sehen, ob es wirklich daran lag, oder ob ich einfach abbaue. Sofern der Bus dann etwas leerer ist.

Ausflug ins Weiss

Mats_sicherauf Ski.jpgObwohl ich gestern gar nicht gerannt bin, hat mir die familieninterne Sonntagsabstimmung einen Ausruh- und Hausmanntag beschert. Mats durfte, obwohl er es sich mehrmals fast verscherzt hätte, einen Ski-ausflug machen. Bei seinem 2. Versuch wirkt er schon recht sicher auf den Brettern. Noch bequemer natürlich, in der Pulka zu liegen und von Anja auf ihren Tourenski gezogen zu werden. Aber das war für Anja gar nicht anstrengend, sagt sie im Nachhinein. Nach dem Lauf gestern hat sie etwas anderes gesagt. Aber heute, an der frischen Luft in der Natur konnte sie sich sogar etwas erholen. Um auch in der Natur an der Frischschneeluft zu sein, brauche ich auch eine Pulka. Aber eine, die schwebt.MatsimZugschlitten.jpg