therapeutische Unterhaltung

Der Tag fing gut an. Nur ein paar Zentimeter Neuschnee und kein Eis liessen mich in sommerlichen 5 Minuten zur Bushalte gehen, statt in 20 wie bei Glatteis. Auf dem Zenit der Fußgängerbrücke konnte ich mir sogar die zeit nehmen, aufs Meer zu schauen. Der Bus hatte auch nur 3 Minuten Verspätung, und ich wäre überpünktlich angekommen, hätte es beim Aussteigen nicht ein kleines Problem gegeben: Wie immer mußte ich, links voran auf eine Eiswulst treten, nur dass ich diesmal nicht gleich in den sicheren Stand kam. Hätte mich nicht der Fahrgast, der hinter mir aus dem Bus stieg gehalten und richtig hingestellt, wäre ich gefallen. Ich befürchtete schon eine kleine Verletzung des Sprunggelenks, weil ich umgeknickt war, soweit die Beinschiene das zuliess. Aber es war alles in Ordnung. „move your ankle!“ funktionierte genauso gut oder schlecht wie immer. Soweit der Anfang meiner heutigen Therapiestunde. Schon an der Bushaltestelle hatte ich mir überlegt, es mal mit sit-ups zu versuchen, wenn ich eine Möglichkeit fände, meine Füsse zu fixieren. Unter der Couch zum Beispiel. Dann liess ich den Gedanken wieder fallen, denn nach 9 Jahren Nichtbenutzung, hätte ich ja bestimmt keine Bauchmuskeln mehr. Doch weit gefehlt. Sten hatte die gleiche Idee: erfixierte meine Beine und ich kam vom Liegen zum Sitzen, erst noch mit Händen an den Ringen, an denen wir die letzten Male bereits Klimmzüge geübt hatten, dann ohne rechte Armunterstützung, dann ganz ohne Armeinsatz. Es funktionierte. Problemlos und ohne sonderliche Anstrengung. Meine nach eigener Erwartung vollkommen verkümmerte Bauchmuskulatur befand Sten für „quite strong“ ich hätte am Liebsten gar nicht mehr aufgehört. Einen so großen Motivationsschub habe ich in den letzten ohnehin erfolgreichen neun Therapiejahren nie erlebt. Auf die Idee, überhaupt etwas mit meinen Bauchmuskeln zu machen war in Mitteleuropa auch noch kein Therapeut gekommen. Ich grinste wie ein Honigkuchenpferd und meinte: „This is not anymore Training. that´s entertainment!“

Advertisements

Ein Kommentar zu “therapeutische Unterhaltung

  1. ach, Jens, ich les so gern deine Beiträge und bekomme so ein bisschen von euch mit; vielleicht, vielleicht klappt es ja doch einmal mit einem Wiedersehen, wenn ihr im Süden seid. Gestern bin ich mit dem Zug nach Reute gefahren und hab in FArchant und Oberau an euch gedacht; vor einigen Jahren haben wir euch dort mal besucht; wir sind durch den Schnee gelaufen, du damals noch nicht.

    Liebe Grüße aus dem Engadin in den hohen Norden an dich und Anja, Ingola

    Ingola Lammers Winzererstrasse 136 D-80797 Muenchen Tel. 0049-89-3088243

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s