zu früh gefreut.

War ja eigentlich klar, dass der Winter noch nicht ganz vorbei war. Aber wenigstens diese Woche noch, hatte ich gehofft. Samstag fliegen wir für 5 Wochen nach Wien bzw. Süddeutschland. Anja muß zu Kongressen in Wien und Prag, ich gehe für 3 Wochen zur Reha in meine Lieblingsklinik in Murnau. Mats ist bei seinen Großeltern ganz in der Nähe. Und in Österreich und Bayern liegt kein Schnee mehr – das weiß ich aus verläßlichen Quellen.Die paar Tage hätte es ja hier auch noch bei Plusgraden bleiben können. Aber nein – schon Dienstag fing es an, wieder heftig zu schneien. Und dass weiße Zeug blieb sogar liegen, und am Mittwoch kamen nochmal 10 cm dazu. Damit ich nicht auch wieder auf Schnee und Eis zum Liegen komme, mußte ich mir gestern wieder die Spikes auf die Schuhe pfriemeln, bevor ich Mats vom Kindergarten abholte. Alleine bekomme ich das aber nie so gut hin, dass ich auch sicher bin, dass die Nagellappen mir unterwegs nicht wieder von den Schuhen fallen. Hat aber gehalten bis zum barnehagen und zurück. Danach, am späten Nachmittag, taute das meiste aber schon wieder weg, und heute habe ich die Spikes nur sicherheitshalber angelassen. Morgen noch, und dann fliegen wir in den echten Frühling, während hier auch noch die letzten Schnee- und Eisreste wegtauen. Es sei denn, es dreht sich alles um. Sicher sein kann niemand, und ich werde auch schon bald so alt, dass es mir nachgesehen wird, wenn ich nur noch vom Wetter schreibe.

mit zwei bis drei Rädern

Es wachsen weiterhin die Frühlingsgefühle: Die norwegischen Wassersportler haben ihre Jetskis auf unseren Sund gesetzt und rasen, was die von billigem Sprit getriebenen Motoren hergeben. Die Möwen kreischen nun auch abends, und ich vermisse mein Liegedreirad, das irgendwo im mit unserem Gerümpel zugestellten Stall in Ekel vor sich hinstaubt. Dafür kann Mats, der eben noch versuchte, sich auf Skiern zu halten und gerade erst sein Laufrad wieder ausgepackt hatte, mit seinem neuen richtigen Rad, das Fahren lernen. Sieht sogar geländegängig aus. Dann ist wohl bald kein frühlingshafter Berg im ganz hohen Norden des Kontinents mehr vor ihm sicher. Und ich werde nach Therapieschluß noch mehr damit zu tun haben, die Wohnung sauber zu halten.Mats´ erstes Fahhrad2

… denn es ist Sommer…

Gestern kam ich an einigen Eiswülsten am Strassenrand und den Resten einst beeindruckend großer Schneehaufen vorbei. Das erinnerte mich daran, dass in Nordnorwegen um diese Jahreszeit normalerweise noch Winter ist. Auf der anderen Seite kann man auch von gefühltem Hochsommer sprechen, dem wir gestern dadurch Ausdruck verliehen haben, indem wir zum ersten Mal 2016 auf dem Balkon zu Abend gegessen haben.Das Problem dabei: Der Tisch draußen ist rund. Wir waren 4 Personen und konnten nicht alle mit dem Rücken zur Sonne sitzen. Und in die Sonne zu schauen ist selbst mit Sonnenbrille unangenehm. Aber Mar, die zu Besuch war, eine sehr angenehme Spanierin, in die Mats total verschossen ist, der machte das nichts aus. Sagte sie zumindest. Ich habe dieses Problem, wenn ich zwischen 13 und 19 Uhr schreiben will. Mein Schreibtisch steht vor einem Südfenster, und das Rollo ist ziemlich transparent. Wenn ich mich dennoch an die Tastatur wage, kann ich nur zwischen Blindheit und Sonnenstich wählen. Sonderbar ist mir in jedem Fall zumute. Ansonsten: Um 4 Uhr morgens fangen die Singmöwen mit ihrem Gekreische an, um 5 (Sommerzeit) ist es hell und gegen 22.30 wieder dunkel. Über Mangel an Licht können wir uns nicht beschweren. Dabei ist das Ende der polaren Nacht, gerade gute 2 Monate her. Bis die Sonne im Juni gar nicht mehr untergeht, müssen wir noch für eine bessere Verdunklung unseres an zwei Seiten verglasten Wohnzimmers sorgen. An Film- und Fernsehen über Projektor ist schon jetzt nicht mehr zu denken.