Schland schon wieder

Dieser Blog berichtet ja schon lange nicht mehr darüber, wie Familie Dücker-Rösel in die Ferne zog und versuchte, sich bei seltsamen Nordnorwegern einzuleben. Er hält vielmehr unser im weit entfernten Deutschland verbliebenes Umfeld über unseren Alltag auf dem Laufenden. Allen, die ihn trotzdem regelmäßig lesen, sei hiermit verkündet, dass in den nächsten Wochen keine Aktualisierung mehr stattfinden wird, weil wir nämlich morgen schon wieder nach Deutschland fliegen. Anja wird nach ein paar gemeinsamen Tagen weiter in dieUSA fliegen, wo sie beruflich zu tun hat, ich bleibe bei Cristian und Tania in Hamburg und werde ebenfalls viele Termine als hauptberuflicher Patient wahrnehmen. Mats macht es sich derweil bei seiner Großmutter in Rendsburg gemütlich und inspiziert das Spielzeug, dass Oma extra für ihn angeschafft hat. Wenn wir am 14. November wieder in Tromsö landen, wird es hier bestimmt schon ziemlich kalt und dunkel sein. Und ziemlich glatt. Gut, dass heute noch das Paket mit den neuen Schneeketten für meine Schuhe kommt, dank derer ich den kommenden Winter hoffentlich besser überstehen werde als den letzten. Ich bin in jedem Fall gespannt auf die nächsten Wochen und Monate, in denen die Sami traditionell ja neue Polarlichter an den Himmel schrauben.

Jahreszeiten durcheinander geweht

Wir haben heute Schnee gesammelt und getrunken“ berichtete Mats am vergangenen Montag, als ich ihn abholte. Sein Kindergarten muß ein ganz eigenes Mikroklima haben. Ich habe auf dem Weg zur Bushaltestelle nur Graupel und ein bißchen Schneeregen mitbekommen. Was am letzten Wochenende bei uns Flachländern als pures Nass runtergekommen ist, fiel auf den Bergen als Schnee. Die sind bereits weiß. Schnee ist also schon wieder ein Thema bei uns in Tromsö, obwohl er bei sehr deutlichen Plus-Temperaturen noch nicht liegenbleibt. In 2 Wochen fliegen wir ja auch schon wieder nach Deutschland. Und wenn wir Mitte November wiederkommen, wird hier alles weiß und dauerdunkel sein. Darum haben wir auch schon neue Spikes bestellt, mit denen ich auf dem zu erwartenden Glatteis nicht mehr umfallen dürfte. Am Mittwoch gab es schon keine Spur mehr von fallendem Wasser in festen Aggregatzuständen. Dafür mußte ich die Mütze an den Kopf drücken, damit Sie nicht wegweht. Auf dem Balkon ist der Grill umgeweht worden, und die letzten Reste unserer Pflanzversuche sind abgesoffen. Dafür haben wir die Minze gerettet und reingeholt. Wenn nicht in nächster Zeit auch die schweren Blumentöpfe durch die Luft geweht werden, machen wir nächstes Jahr weiter. Bei all dem Gewehe war Mats (Matthias, Matthew) gar nicht weit weg, sondern keine 200 Meter entfernt im Kindergarten.
Aus Deutschland höre ich in letzter Zeit oft, dass dort jetzt (endlich) der Herbst Einzug gehalten hat. Hier ist er schon wieder vorbei. Ich habe heute zum ersten Mal die Handschuhe angezogen.

Wissenschaftstag

Gestern war Vitenskapdag in Tromsö.Das hiess Tag der offenen Tür in allen Wissenschaftseinrichtungen der Stadt. Mit besonders Kinder anlockendem Programm.

Leute, die selbst in wissenschaftlichen Einrichtungen arbeiten, mussten natürlich auch an diesem Sonnabend auf ihrer Arbeitsstelle sein. So auch Anja. Ihr Auftrag war es, Interessenten das Eislabor zu erklären. Es kamen viele. Und einige zeigten sich über ihr gutes Norwegisch erfreut. Nicht des Andrangs wegen, mußte die Erklärung für eine Stunde ausgesetzt werden, sondern wegen Tau-Alarm. Es tropfte schon von der Decke.
Da Mats das Eislabor schon kennt, bin ich mit ihm ins Polario gegangen. Da war heute der Eintritt frei, und das lockte tatsächlich sehr viele Kinder an, was für mich wegen der vielen gleichzeitigen akustischen Reize sehr anstrengend war. Für Mats waren die anderen Kinder hingegen sehr spannend. Und Spielecken gab es auch. Also war der Kleine öfter mal weg. Wenn er dann wieder auftauchte war der Vater ohne teilbare Aufmerksamkeit sehr genervt und nicht gerade freundlich. Das änderte sich erst, als ich anbot, dass wir überall hingehen, wohin er mag. Er könne die Führung übernehmen, müsse aber darauf achten, dass ich auch hinterher komme. Von da an nahm er mich bei der Hand und zeigte mir das Polaria. Und die vielen Geräuschquellen machten mir gar nicht mehr so viel aus. Als wir auf dem Heimweg schon beinahe bei der Bushaltestelle angekommen waren, überholte uns auch schon der Bus und wartete an der Haltestelle vor uns. Da ich ihn unmöglich noch erwischen konnte, bat ich Mats, schon vorzulaufen und den Busfahrer zu bitten, auf mich zu warten. Und das machte Mats. Und so bekam ich den Bus auch noch. Das hätte ich zwar sowieso, weil der Busfahrer, nachdem auch ich eingestiegen war, sowieso noch 5 Minuten an der Haltestelle stehenblieb, bevor er losfuhr. Aber darum geht’s ja nicht. Ein bißchen Spass dürfte die Sache Mats aber auch gemacht haben: er durfte in seinen Gummistiefeln nach Herzenslust durch alle Pfützen rennen, ohne dass sich jemand beschwerte. Denn es hatte auch gestern den ganzen Tag geregnet. Gut, dass dasArktis-Informationszentrum Polaria keine Open Air – Veranstaltung ist.

Heute ist Anja mit Mats in der Stadt unterwegs. Primär wollen sie in die Bibliothek. Vielleicht können sie ein deutschsprachiges Kinderbuch wieder ausleihen, das wir gerade erst nach mehrfacher elektronischer Verlängerung zurückgeben mußten: Pippi Langstrumpf. Vielleicht ist unser Einmerker noch drin.