Eigentlich ganz normal

Heute taute das meiste Eis und machte alles nass. Die partielle Restglätte und der Schneematsch machten die Nagellappen unter den Schuhen aber unbedingt notwendig. Ich werde nun nicht mehr jeden Tag über die Gefährlichkeit des nordnorwegischen Wintereises für mich berichten, sondern nur noch, wenn etwas Besonderes passiert: Dass ich trotz der sogenannten Spikes gestürzt bin, zum Beispiel, oder dass ich wegen der zentimeterdicken Eisschicht nun doch die Schneeketten anlegen (lassen) mußte. Davon unabhängig werde ich natürlich von der Whalewatching-Segeltour, die am kommenden Samstag nun tatsächlich stattfinden soll, schreiben und von allen Naturschauspielen, die da noch kommen und so viele Fotos wie möglich hochladen.

Blasmusik

img_weihnachtsbaum-2016Ich muß mich erst wieder dran gewöhnen: Als ich kurz vor Mitternacht aufs Klo mußte, konnte ich sehen, dass gleich hinter dem Balkon eine dichte Nebelwand begann. Von Brücke, Hafen und Eismeerkathedrale war nichts zu sehen. Erst als eine Stunde später alles wieder zu sehen war, wußte ich: der Nebel war ein Schneesturm. Am morgen war die Schneeschicht jedoch so dünn, dass Mats und Anja trotzdem zum Strand gehen und Treibholz für die Weihnachtsdeko sammeln konnten. Die Ausbeute war relativ groß und müffelt nun bis zur Weiterverarbeitung im Waschmaschinenraum vor sich in. Es schneite den ganzen Tag. Als der Wind einem die Flocken in die Augen trieb, dachte ich schon, dass die feierliche Eröffnung der Weihnachtsbaumbeleuchtung eventuell ins ausgeflockte Wasser fällt. Dem war natürlich nicht so. Welcher Norweger läßt sich schon durch Wetter von irgendetwas abhalten? Die Blaskapelle brauchte zwar gefühlte Stunden zum Stimmen ihrer Instrumente, aber Mats und ich vertrieben uns die Zeit mit Schneeballschlachten. Als es mit Ringelreihen um den Baum für die Kinder endlich losging, war Mats trotz der 2 Grad minus auch kaum mehr wieder in die Wohnung zu bekommen. In den nächsten Tagen soll es noch kälter werden. Über den Niederschlag schweigt sichdie Wettervorhersage aus.

ein Fest für die Dunkelzeit.

es war vorgestern. Ich ging meinen Eigentherapien nach oder kochte gerade. Dabei hörte ich den Regen; und dachte mir nichts dabei. Dass draußen null Grad sein könnten, kam mir nicht ins Bewußtsein. Erst als ich schon auf dem Weg zum Kindergarten die Strasse hinter den Müllrohren passiert hatte, fiel mir das Glatteis auf. Natürlich hatte ich noch keine Spikes unter den Schuhen. Die einzige Möglichkeit, Mats abzuholen, schien mir, den erfahrungsgemäß öfter gestreuten „Abholweg“ zu nehmen. Aber dazu mußte ich bis zur Strasse zurück. Und die wenigen Meter bis dahin waren spiegelglatt, wenn die Eisschicht auch nur wenige Millimeter dick war. Einzige Möglichkeit: Bis zur Strasse zu rutschen oder zu schlittern, in der Hoffnung dort irgendwie anhalten zu können. Es muß wie eine Anleihe bei Buster Keaton ausgesehen haben, aber es glang. Der Alternativweg war leider nur die ersten Meter gestreut. Ich war kurz davor, Anja anzurufen und sie zu bitten, Mats abzuholen. Obwohl sie auch noch keine Nagelreifen an ihrem Fahrrad hatte. Aber mein Ehrgeiz war stärker. Irgendwie und mit gehöriger Verspätung kam ich zu Mats. Aber zurück mußten wir ja auch noch. Und das noch mit einer Plastiktüte voller nasser Klamotten, weil er und seine Kumpel im Regen draußen gespielt hatten. Da Mats besser vorankam, nahm er mir diese Tüte schon bald ab. Kurz nach dem Barnehagentor mußten wir eine Abbiegung gehen, die besonders schwierig zu bewältigen war. Als Mats sah, dass ich nur Millimeterweise vorankam, ging er in Dezimeterschritten übers Eis zu mir und gab mir seine Hand. Ohne ihn wäre ich niemals nachhause gekommen. Mein 4jähriger Sohn ist mir schon eine wahre Stütze.
Das macht ihn aber nicht unbedingt ausgeglichen und gutgelaunt. Heute war Mjörketidsfest. – anläßlich der bevorstehenden Dunkelzeit. Wieder richtete Mats Gruppe die Gesangseinlagen für alle Kinder und deren Eltern aus. Und wieder war Mats der einzige, der partout nicht mitsingen wollte und lieber lautstark sein Missfallen zum Ausdruck brachte. Das missfiel mir auch und ich konnte das auch nicht einfach überlächeln, weil Mats doch vorgestern erst mein Retter war.
Den Salat habe ich nun jedenfalls. Ab nun nur noch mit Nägeln unter den Schuhen raus. Und wenn das nicht reicht, wie in den letzten Wintern, habe ich jetzt noch niegelnagelneue Schneeketten für meine Schuhe in petto.

So ein Mist


In einer Woche werde ich wahrscheinlich nicht mehr als Schockbildmodel für Zigarettenpackungen herhalten können, meinte die Hautärztin der Uniklinik heute. Dazu muß ich meinen drei Antiepileptika noch weiterhin Cortison und Antihistamine hinzufügen.Solang´s hilft hab ich auch kein Problem damit und werde noch ein richtiger Freund der Schulmedizin. Allopathischer Großkunde bin ich ja schon. Vor 10 Jahren hätte ich dazu noch die Überschrift dieses Eintrags zitiert oder gleich „So´n Scheiss“ gesagt.Eventuell hätte ich gestern morgen auch an der Segeltour teilnehmen können, denn da sah meine Haut schon deutlich besser aus. Erst am Abend kam der Ausschlag mit Wucht zurück. Aber da wäre der Segeltörn mit erhoffter Walsichtung ohnehin schon vorbei gewesen. Wenn er denn stattgefunden hätte. Hat er aber nicht. Überdruck im Abwassertank hat zu dringenden Aufräumarbeiten geführt und das Boot erstmal unbetret- bzw. unberiechbar gemacht.

schwimmende Haut

vorm_hu%cc%88ttenbootWährend der Ausschlag bei mir als Haut identifizierbare Stellen zu einer deutlichen Minderheit gemacht hat und ich auf die Wirkung der für sowas üblichen Pillen warte, nutzen Anja und Mats die Gelegenheit, die neue Hütte des norwegischen Polarinstituts zu inspizieren. Rundherum schön, gut gelegen und sogar mit eigenem Klo.
Und eigenem Boot. Über Sylvester, wenn Severina und Thore da sind, haben wir die Hütte für uns, die heute von 2 Arbeitskolleginnen von Anja mitgenutzt wird. Und deren Kindern.

Ich bin nach Weihnachten (der grosse Baum steht schon noch ungeschmückt vorm Haus) sicher wieder auf dem Damm und arbeite gegen die Einschränkungen meiner Lähmung weiter an. Heute habe ich therapiefrei und sehne mich nur nach heiler Haut.


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Wo man gerade nicht ist, ist es am Schönsten

Wie geplant sind wir am vergangenen Montagabend zurückgekommen. Da der Flieger nach Oslo keine Verspätung hatte, lief die sonst nervige Prozedur mit Gepäck vom Band holen und neu einchecken relativ entspannt.

Im großen und ganzen war die Zeit für uns alle schön. Für Anja vielleicht nicht komplett, schliesslich war sie zur Wahl in den USA und mußte das Heulen und Zähneknirschen innerhalb der dortigen Polarforscherszene mit ansehen und -hören.Ich habe meine vielen Termine auch noch relativ entspannt absolviert. Bis auf den letzten: Mein ehemaliger Hamburger Hausarzt machte mit seinem Ultraschall eine Untersuchung meiner inneren Organe. Nur die Bauchspeicheldrüse konnte er nicht sehen und besorgte mir zur weiteren Abklärung für den nächsten Tag einen Termin beim Radiologe, um das im CT genauer abklären zu lassen. Während ich in der Röhre lag, wurde mir das Kontrastmittel mit solchem Druck injiziert, dass die Vene platzte. Die Wunde heilt zwar langsam, dafür hat sich drumherum ein fieser Ausschlag gebildet. Nun fürchte ich, am Wochenende, wenn wir doch eigentlich auf dem Segelboot von Freunden zum Whalewatching raus wollten, eher in die Legevakt (Notfallambulanz)zu müssen. Schaun mer mal. Mats als letzter hatte einen rundherum gelungenen Urlaub bei Oma Heike. Dort hatte er viele Legosteine. Einen neuen Karton mit solchen hat er nun auch zuhause und will kaum noch etwas anderes.Obwohl er das im Kindergarten auch wieder gut findet. In Deutschland hatte er sich – einziger Wermutstropfen – schon beschwert, dass er nach Norwegen zurück und für immer dort bleiben will. Das teile ich nach wie vor nicht. Aber immerhin:Noch haben wir hier keine geschlossene Schnee- und Eisdecke, auf der ich ausrutschen würde. Kommt sicher bald. Zunehmende Dunkelheit ist aber schon da. Wenn um 14.30 die Hutigruten in den Hafen einläuft, ist sie nur noch durch ihre Lichter zu erkennen.