Spikes im Kinderwagen.

Ich habe von Wittgensteins tractatus logico philosophicus zwar nie mehr als den Anfang gelesen. Aber der erste Satz reicht schon, um diesem blog eine halbgelehrte Note zu geben:
Tromsö ist Alles, was der Fall ist,
müßte es dann heißen.
Da ich ja ankündigte, ich würde vom Eis erst wieder schreiben, wenn etwas Außergewöhnliches passiert, wie zum Beispiel, dass ich hinfalle, kann ich heute gleich Vollzug melden: da es bei uns nach 2 Tagen deutlicher Plusgerade alles wieder weggetaut war, habe ich vorübergehend auch noch Schienenschuhe ohne Spikes in Betrieb genommen. Damit kam ich auch ganz locker über die Fußgängerbrücke zur Bushaltestelle und zur Physiotherapie und von dort zu einer anderen Bushaltestelle, an der ich ganz entspannt auf den Bus zur Akupunktur wartete.

Aber die hundert Meter von der Bushaltestelle dort bis zur Praxis waren noch komplett vereist, gingen bergab und waren nur partiell gestreut. Ich fiel zweimal hin, kam aber alleine wieder auf die Beine. Nach dem 2. Mal rief ich Haakon an, der aber nicht ans Telefon ging. Dann ging ich auf den beschneiten Gräsern am Rand der Straße weiter und nutzte, als ich die Strasse queren mußte, quasi jedes Kieselsteinchen. Am Ende war ich dann doch da. Sogar pünktlich. Auf dem Rückweg dachte ich erst, dass das Eis, während ich genadelt auf der Liege lag, weggeschmolzen wäre. Das galt aber nur für das erste Drittel. Als das Eis wieder begann und ich nicht vorankam, kam eine junge Frau des Wegs und bot mir ihren Arm an. Das nahm ich natürlich sofort an, nachdem ich mich versichert hatte, ob sie sich das denn wirklich zutraue mit dem Kinderwagen, den sie schob. Sie holte aus dem Kinderwagen ihre Spikes, legte sie (auf dem Glatteis stehend) an und los gings. Ich an der einen Hand, der Kinderwagen mit dem schlafenden Baby drin an der anderen. So kam ich zur Bushaltestelle bei unserem Haus. Von dort ging ich extra auf der vollkommen eis-und schneefreien Straße nachhause. Unmittelbar vor der Fußgängerbrücke wurde es allerdings ohne jede Vorwarnung glatt, was ich aber erst merkte, als ich schon (wieder) auf dem Boden lag. Da Ich nicht an Ort und Stelle selber wieder auf die Beine kam, musste ich die 10 Meter bis zum Brückengeländer auf dem Rücken robben und mich dort hochziehen.
Was hatte Haakon noch gesagt, bevor er die Nadeln setzte?
Es sei in Tromsö üblich, nicht zu wissen, wo es gerade glatt, wo gestreut ist und wo nicht.

Da hat er wohl recht.

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