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Als ich Mats vom Kindergarten abholte, meinte Leila, seine Gruppenleiterin, es sei ja schon richtig Frühling. Als ich ihr erzählte, dass wir 8 Grad haben, korrigierte sie sich: Es ist Sommer!

Und weil es nicht der erste warme Tag ist, konnte ich heute auch zum ersten Mal seit Ende Oktober die Spikes unter meinen Fußsohlen weglassen, so viel war schon weggetaut. Zwar gibt es noch einige Schneeflächen und -haufen, aber die Wege sind eisfrei. Ich hatte nur Bedenken, dass an den Straßenrändern noch die vereisten Wülste aus zusammengeschobenen Schnee noch nicht ganz weggegetaut seien und ich beim Aussteigen aus dem Bus noch darauf treten müßte. Aber diese Sorge war gänzlich unbegründet. Die Strassenränder in der Innenstadt waren nicht nur Schnee- und eis-, sondern auch Split- und dreckfrei. Das gehen war heute die pure Freude und hat locker ausgeglichen, dass die Therapie heute nicht ganz soviel Spass gemacht hat, wie in den letzten Wochen. Zwar traue ich dem Frieden noch nicht wirklich, aber laut norwegischem Wetterdienst, soll es noch bis Mitte kommender Woche so sommerlich warm bleiben.

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Osterwunder

kindergeburtstag4.jpgOstern wird in Norwegen deutlich ausführlicher begangen als in Deutschland.

Am Mittwoch davor arbeiten alle nur bis zwölf, und Gründonnerstag ist bereits richtiger Feiertag. An Karsamstag haben dann wenigstens die Geschäfte für Not- und Hamsterkäufe geöffnet. Für uns war gestern aber ohnehin ein besonderer Tag. Dieses Jahr fiel Mats´Geburtstag auf den Karsamstag. Und sein 4. Geburtstag war auch der erste, an dem Freunde eingeladen waren: Die Brüder Emil und Erik aus dem Kindergarten kamen wieder zu uns. Nach dem wunderbaren Schokoladenkuchen mit einer 4 aus Smarties drauf (und vier Kerzen) gab es das gute alte Topfschlagen. Leider waren die Augenbinden nicht wirklich blickdicht, und es war wohl etwas Schummelei im Spiel, als die drei Jungs den Kochlöffel jeweils schon nach wenigen Sekunden auf den Kochtopf hauten. Meine Aufgabe bestand diesmal nicht darin, mit allen 3 auf dem großen Bett zu toben, sondern nur zu versuchen, Luftballons durch ununterbrochenes hin- und herschlagen möglichst lange in der Luft zu halten. Danach gab es noch die Ballon-Aufblasen und Loslassen- Nummer; und wenn das Stück Gummi dann durch den Raum zischte, Loopings machte und von unsichtbaren Banden prallte gab es lautes, lachendes Gekreische von den Brüdern. Offenbar ist diese banale Kinderparty-Attraktion in Norwegen unbekannt. Das Pa°ske- Canin allerdings nicht, das sich bei uns aber nur bis zum Balkon getraut hat, um seine Eier zu verstecken. Es fürchtete wohl, dass es ihm in der Wohnung zu heiß werden würde. Dabei sind es heute auch draußen schon saunamäßige 5° und morgen sollen es sogar 6 werden. Wenn das mal keine Osterklimaerwärmung ist…

Während Anja heute draußen Sport trieb, haben Mats und ich wieder mit den (aufgeblasenen und zugeknoteten) Luftballons gespielt. Eines der Spielgeräte war wohl etwas länger als die anderen. Damit es nicht vorzeitig auf den Boden fällt, habe ich es einfach mit einem Finger gegen die Decke gedrückt, was nur ging, weil ich mich mit dem rechten Fuß auf die Zehenspitzen stellte. Als mir nach ein paar Minuten der Arm abzubrechen drohte und ich weggegangen bin, blieb der Ballon einfach an der Decke hängen. Muß wohl mit einer besonderen elektrostatischen Aufladung zu tun haben. Oder mit Ostern. Nach 2 Stunden jedenfalls hängt er da immer noch. Wenn das schwarze Osterei aus Gummi am Ostermontag immer noch an der Decke hängt, werde ich an dieser Stelle davon berichtenStelle davon berichten.

God Pa°ske! für alle Leser

Ballon-an der decke

God Pa°ske! für alle Leser

Vater, Sohn und Schnee

Natürlich kam der Frost am Wochenende. Aber auf dem vielen Neuschnee fiel das Eis weit darunter kaum ins Gewicht und stellte keine Rutschgefahr da. Es hatte schon heftig zu schneien begonnen, während ich noch den letzten Blogeintrag schrieb.In den folgenden 2 Stunden 20 Zentimeter. Und so ging es auch den ganzen nächsten Tag noch weiter. Ich rutsche nicht, aber das Vorankommen in dem vielen Schnee ist auch sehr anstrengend. Als ich heute mit Mats zum Strand gehen wollte, mußte ich schon vorher aufgeben. Der Weg dahin ist ohnehin schon steil, aber heute gar nicht zu bewältigen. Dabei hatte sich Mats diesen nahen Ausflug sehr gewünscht und auch immer versucht, mir einen Pfad vorzutrampeln. Für Mats und mich ist es nämlich ein besonderes Wochenende. Wir sind von Freitagnachmittag bis Sonntagabend allein. Anja macht mit 2 Freundinnen eine 40km lange Skitour, bei der sie die Nächte im Zelt verbringen. Die 4 grad minus Außentemperatur würde sie wahrscheinlich gar nicht für erwähnenswert halten.

Mats und mir geht es gut. Dass er sich schon alleine anziehen kann, erleichtert mir die Sache sehr. Erst heute Abend verweigerte er vor dem Zubettgehen jede Zusammenarbeit, wollte die Grenzen austesten, und ich wurde leider doch noch wütend. Vor dem Einschlafen waren wir aber wieder ganz versöhnt. Bei Geschichte-Erzählen und Singen schlief er auch schnell ein. Obwohl er nach Schneeausflug und sehr sättigendemMittagessen, schon fast 2 Stunden in einer zusammengerollten Gummimatte geschlafen hatte.

mats_mittagsschlaf

´s taut, ´s taut

murmeltierschneehöhle

So langsam macht es sich bemerkbar, dass wir schon seit einer Woche Plusgrade haben. Bis zu 6 auf der Celsiusskala. In der Antarktis sind wir schon bei plus 0,5° nur im T-Shirt draußen rumgelaufen. Aber das war ja auch auf der ganz anderen Seite der Welt. Ohne Fußgängerbrücken. Die hier ist schon fast schnee- und Eisfrei, nur der Weg dorthin noch nicht. In der Stadt kann ich aus dem Bus steigen, ohne auf eine große Schneewulst treten zu müssen. Nachteile hat diese Wärmeperiode natürlich auch. Mats ist gestern bei dem Versuch, mich auf dem Nachhauseweg naßzuspritzen, selbst in die Pfütze gefallen, deren Schmelzwasser er eigentlich mir zugedacht hatte. Außerdem ist die Höhle im Schneehaufen nicht mehr benutzbar, in der wir sonst Murmeltier gespielt haben: Mats tauchte kurz aus dem Höhleneingang auf, und wenn ich ihn sah, mußte ich mich über das Murmeltier wundern, das dann ganz schnell wieder verschwand. Nun, ein Rest des Schneehaufens ist ja auch noch da. Der Winter wird sicher noch dauern. Außerdem ist für´s Wochenende wieder Frostgefahr angesagt. Wahrscheinlich werde ich dann Steigeisen brauchen.

Sang und Schall

Will etwa auch hier schon der Frühling einmarschieren? Und wenn, dann kommt er mit einem Kratzgeräusch. Und dem eines Dieselmotors. Auf der Fußgängerbrücke wurde heute nicht nur der Neuschnee geräumt (den es schon seit einigen Tagen nicht mehr gibt) – ein kleiner Bagger versuchte das ganzeEis zu beseitigen und brach ganze Platten vom Boden. Mindestens 5cm dick. Das ist schon mal ein gutes Zeichen. Wenn ich Ende Mai von der Reha in meiner süddeutschen Lieblingsklinik wiederkomme, ist hier hoffentlich von Schnee und Eis nichts mehr übrig und ich kann mit federnden Schritten durch ein wahrhaft frühlingshaftes Tromsö laufen, dessen Birken und Sträucher schon zu treiben begonnen haben. Und ich gehe schneller und normaler denn je in den letzten 9 Jahren. Schöne Aussichten. Die Lichtstimmungen sind jetzt schon sehr angenehm. Wenn ich um 5uhr 30 vom Klo komme und sehe, dass es schon hell wird und die Stadtinsel schon so mediterran wirkt, wie im Juni zwischen 1 oder 2 Uhr, dann würde ich am liebsten schon rausgehen. Mache ich dann aber doch nicht. Plus ein Grad wirkt immer noch ziemlich frisch.Obwohl ich heute mittag zum ersten Mal Mütze und handschuhe ausgezogen habe.

therapeutische Unterhaltung

Der Tag fing gut an. Nur ein paar Zentimeter Neuschnee und kein Eis liessen mich in sommerlichen 5 Minuten zur Bushalte gehen, statt in 20 wie bei Glatteis. Auf dem Zenit der Fußgängerbrücke konnte ich mir sogar die zeit nehmen, aufs Meer zu schauen. Der Bus hatte auch nur 3 Minuten Verspätung, und ich wäre überpünktlich angekommen, hätte es beim Aussteigen nicht ein kleines Problem gegeben: Wie immer mußte ich, links voran auf eine Eiswulst treten, nur dass ich diesmal nicht gleich in den sicheren Stand kam. Hätte mich nicht der Fahrgast, der hinter mir aus dem Bus stieg gehalten und richtig hingestellt, wäre ich gefallen. Ich befürchtete schon eine kleine Verletzung des Sprunggelenks, weil ich umgeknickt war, soweit die Beinschiene das zuliess. Aber es war alles in Ordnung. „move your ankle!“ funktionierte genauso gut oder schlecht wie immer. Soweit der Anfang meiner heutigen Therapiestunde. Schon an der Bushaltestelle hatte ich mir überlegt, es mal mit sit-ups zu versuchen, wenn ich eine Möglichkeit fände, meine Füsse zu fixieren. Unter der Couch zum Beispiel. Dann liess ich den Gedanken wieder fallen, denn nach 9 Jahren Nichtbenutzung, hätte ich ja bestimmt keine Bauchmuskeln mehr. Doch weit gefehlt. Sten hatte die gleiche Idee: erfixierte meine Beine und ich kam vom Liegen zum Sitzen, erst noch mit Händen an den Ringen, an denen wir die letzten Male bereits Klimmzüge geübt hatten, dann ohne rechte Armunterstützung, dann ganz ohne Armeinsatz. Es funktionierte. Problemlos und ohne sonderliche Anstrengung. Meine nach eigener Erwartung vollkommen verkümmerte Bauchmuskulatur befand Sten für „quite strong“ ich hätte am Liebsten gar nicht mehr aufgehört. Einen so großen Motivationsschub habe ich in den letzten ohnehin erfolgreichen neun Therapiejahren nie erlebt. Auf die Idee, überhaupt etwas mit meinen Bauchmuskeln zu machen war in Mitteleuropa auch noch kein Therapeut gekommen. Ich grinste wie ein Honigkuchenpferd und meinte: „This is not anymore Training. that´s entertainment!“