letzter Eintrag

Ich wünsche allen Lesern ein gelingendes und entspanntes neues Jahr und werde mich freuen, wenn die eine oder andere via der guten alten E-mail Kontakt mit mir hält.IMG_0145

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God Jul

Die Norweger feiern Weihnachten in der Langfassung. Schon heute haben die Feiertage mit dem „lille julaften, also dem kleinen Heiligabend begonnen. Ab Morgen ist dann alles wie auch in Mitteleuropa gewohnt.

Ich danke allen Lesern. Als Radiomoderator würde ich wohl „bleiben Sie uns treu oder gewogen“ schreiben. Es ist aber tatsächlich so: Das dauerhafte Lesen dieses blogs von ein paar mir bekannten Personen, ist die Motivation, ihn auch im kommenden Jahr fortzusetzen. Aber erstmal wünsche ich entspannte und entspannende Weihnachten! Und es mehr Helligkeit als hier. Soll auch gesund sein. Der Vitamine wegen. Und der Titel wird übrigens „guh jül“ ausgesprochen. Und Mats´ Weihnachtsbaumersatz ist aus Treibholzimg_0167

Eiszacken

Hab ich doch neulich erst geschrieben, ich hätte noch richtige Bergsteigerspikes in petto, falls die norwegischen Nagellappen nicht mehr reichen, um auf dem Eis vorwärts zu kommen.
Nun habe ich nichts mehr in petto. Als ich gestern morgen auf dem Weg zu Bushaltestelle, um zur Therapie in die Stadt zu kommen, über die Fußgängerbrücke mußte, kam ich gar nicht erst dahin. Ein freundlicher junger Norweger konnte mir nur kurz helfen, weil es für ihn auch „too slippery“ war. Er begleitete mich bis zum Anfang des Geländers, der leider auf der linken Seite war. Ich mußte mich also mit der rechten Hand am linken Geländer festhalten und seitwärts über die ganze Brücke gehen, die wohl gerade 100 Meter lang ist, aber gefühlt einen sehr viel längeren Eindruck macht. Irgendwie kam ich zur Bushaltestelle, und mit nur 5 Minuten Verspätung. Der Bus hatte allerdings 10, so dass ich noch einigermassen pünktlich zur Therapie kam. In der Stadt mußte mir eine freundliche Dame (wohl von den norwegischen Pfadfindern) über die Strasse helfen, die gar nicht glatt war. Aber ich hatte das Gefühl, dass meine Schiene mir gar keinen Halt mehr bot, und ich also alleine gar nicht mehr vorankomme. Das war schon das 2. Mal, dass mir soetwas passiert ist. Mittlerweile weiß ich, dass Stress den Tonus meiner Spastik schlagartig so stark erhöht, dass die Muskeln ihren Dienst quittieren. Darum also heute die richtigen bergsteigerspikes unter meinen Schuhsolen. Aber auch damit wurde ich auf dem völlig vereisten Abhang zu Akupunktur, auf dem ich vor 2 Wochen zweimal stürzte, so unsicher, dass das Gefühl gar nicht mehr gehen, ja selbst nicht mehr stehen zu können, wieder kam.
Haakon setzte mir dann eine extra Nadel zur Entspannung, die so gut geholfen hat, dass ich den Rückweg bergauf zur Bushaltestelle problemlos bewältigte. Und als ein paar Stunden später der Daueregen aufhörte, ging ich auch noch locker und gut gelaunt den Eisweg zum Kindergarten. Ich ging dann mit Mats sogar noch weiter zu Eurospar, um mit ihm Nachtischgebäck zu kaufen. Auf dem Rückweg zeigte sich sehr eindrücklich derpsychologische Zusammenhang zwischen Stimmung und Muskeln. Auf dem Weg zum Supermarkt ist ein Abhang zubewältigen, gegen den der zur Akupunktur ein Maulwurfshügel ist. Aber alles ging gut. Auf dem Hinweg. Auf dem Rückweg kam ich auch ganz gut hoch. Bis ich merkte, dass Mats sich, meine Linkswahrnehmungsschwäche ausnutzend, davon gemacht hatte. Obwohl ich ihm eingeschärft hatte, den gleichen Weg zu nehmen wie ich, ist er durch den tiefen Schnee gestapft, während ich mich auf die Serpentinen nach oben konzentrierte. Als ich oben merkte, dass Mats weg war, wurde ich ärgerlich. Und schon versagte die Fähigkeit zu gehen. Als Mats dann fröhlich ankam und ich mir sagte, dass ich mit den Spikes eigentlich ganz sicher gehen kann, konnte ich es auch. Nur für einen Moment drangen die Zacken so tief ins Eis ein, dass ich hängen blieb. Dann ging ich so leicht und geradezu beschwingt weiter, dass ich mir sicher bin, dass ich es morgen auch noch kann.
Als Haakon mich, nachdem er die Nadeln gesetzt hatte, fragte, ob ich frieren würde, sagte ich:“es sind vier Grad plus draußen!“ Er entgegnete trocken: „Wie an einem kalten Sommertag.“
Und so soll es noch eine Woche bleiben.

Wintersport

Mats_wintersportmit kollegen.jpgEin ganz normales Wochenende. So normal, dass wir wieder getrennte Wege gehen, bzw liegen oder sitzen. Ich mache um Sitzen meine Therapien zuhause. Lege mich mittags sogar etwas hin, wie das Leuten in meinem Zustand allseits geraten wird. Oder ich schreibe.
Die Ausflüge von Anja und Mats sind der Jahreszeit entsprechend: Heute unter dem Motto:“Ski und Rodel gut!“Mats_mit_Skieer.jpg

fast wie Jonas

Segelboot_Mats.jpg

Auf und in der „Makaré II“ gefiel es mir sofort. Entgegen vorheriger Befürchtungen liess es sich hier gut einen ganzen Tag aushalten. Auch für mich mit meinen „besonderen Bedürfnissen“ (im Englischen gibt es ja schon lange keine Behinderten mehr). Kristina und Paul waren freundliche und entspannte Gastgeber. Und ihre Töchter haben Lego an Bord – also auch für Mats kein Problem. Aber bei den Abfahrtvorbereitungen hätte ich aber nicht in der Haut ihrer Finger stecken wollen: Sie mußten erstmal die gefrorenen Taue auseinanderklabüsern. Da mein Boot immer im Oktober aus dem Wasser kam, mußte ich früher solche Erfahrungen nie machen. Aber es war toll wieder unter Segeln zu sein. Auch wenn wir erstmal unter Motor den Sund verliessen. Adventureschiffe für Touristen mit der Aufschrift „Whales guaranteed“ überholten uns. Auf dem GPS konnten wir sehen, dass diese sich an einem bestimmten Punkt versammelten. Es war klug, auch dorthin zu fahren. Als wir ankamen durchnitten schon unzählige Rückenflossen die Wasseroberfläche als wäre sie aus Pudding. Es folgten die Orca, die in der Tiefe zuviel fern gesehen hatten und sich an der Luft benahmen wie Flipper. Sie streckten uns ihre hellen Bäuche entgegen und schlugen mit ihren ebenfalls weißen, aber schwarz umrandeten Fluken aufs Wasser. Und das Schauspiel nahm gar kein Ende. Immer, wenn ich dachte, ich hätte für die nächsten Jahre genug Wale gesehen und schon ins warme Innere steigen wollte, kamen neue Meeressäuger noch näher ans Boot heran. Dann ein Schreck aus dem Augenwinkel: Mann über Bord! Von einem Schiff ca. fünfzig Meter entfernt. Die Entwarnung folgte, als noch neun weitere Menschen – alle in roten Anzügen unter Juchzen ins Wasser sprangen. Direkt neben die Orcas, die ja nicht eben als friedliche Vegetarier bekannt sind. So bescheuert können nur Norweger sein, dachten wir. Aber da ihr Schiff erklärtermassen eins für Touristen war, werden wir die Nationalität der Walbader nie erfahren. Als es ruhiger wurde, drehten wir um und fuhren wieder zurück. Motorgetrieben, auch wenn Paul meinte, er fände den Weg in den Hafen von Tromsö auch ohne Tageslicht, das um 14 Uhr verschwand. Gefunden hat er den Hafen der Stadt unserer derzeitigen Behausung tatsächlich. Dort gingen wir wehmütig an Land.
Es war ein rundum gelungener Ausflug. Vielen Dank!Wale_vom_segelboot.jpg

Spikes im Kinderwagen.

Ich habe von Wittgensteins tractatus logico philosophicus zwar nie mehr als den Anfang gelesen. Aber der erste Satz reicht schon, um diesem blog eine halbgelehrte Note zu geben:
Tromsö ist Alles, was der Fall ist,
müßte es dann heißen.
Da ich ja ankündigte, ich würde vom Eis erst wieder schreiben, wenn etwas Außergewöhnliches passiert, wie zum Beispiel, dass ich hinfalle, kann ich heute gleich Vollzug melden: da es bei uns nach 2 Tagen deutlicher Plusgerade alles wieder weggetaut war, habe ich vorübergehend auch noch Schienenschuhe ohne Spikes in Betrieb genommen. Damit kam ich auch ganz locker über die Fußgängerbrücke zur Bushaltestelle und zur Physiotherapie und von dort zu einer anderen Bushaltestelle, an der ich ganz entspannt auf den Bus zur Akupunktur wartete.

Aber die hundert Meter von der Bushaltestelle dort bis zur Praxis waren noch komplett vereist, gingen bergab und waren nur partiell gestreut. Ich fiel zweimal hin, kam aber alleine wieder auf die Beine. Nach dem 2. Mal rief ich Haakon an, der aber nicht ans Telefon ging. Dann ging ich auf den beschneiten Gräsern am Rand der Straße weiter und nutzte, als ich die Strasse queren mußte, quasi jedes Kieselsteinchen. Am Ende war ich dann doch da. Sogar pünktlich. Auf dem Rückweg dachte ich erst, dass das Eis, während ich genadelt auf der Liege lag, weggeschmolzen wäre. Das galt aber nur für das erste Drittel. Als das Eis wieder begann und ich nicht vorankam, kam eine junge Frau des Wegs und bot mir ihren Arm an. Das nahm ich natürlich sofort an, nachdem ich mich versichert hatte, ob sie sich das denn wirklich zutraue mit dem Kinderwagen, den sie schob. Sie holte aus dem Kinderwagen ihre Spikes, legte sie (auf dem Glatteis stehend) an und los gings. Ich an der einen Hand, der Kinderwagen mit dem schlafenden Baby drin an der anderen. So kam ich zur Bushaltestelle bei unserem Haus. Von dort ging ich extra auf der vollkommen eis-und schneefreien Straße nachhause. Unmittelbar vor der Fußgängerbrücke wurde es allerdings ohne jede Vorwarnung glatt, was ich aber erst merkte, als ich schon (wieder) auf dem Boden lag. Da Ich nicht an Ort und Stelle selber wieder auf die Beine kam, musste ich die 10 Meter bis zum Brückengeländer auf dem Rücken robben und mich dort hochziehen.
Was hatte Haakon noch gesagt, bevor er die Nadeln setzte?
Es sei in Tromsö üblich, nicht zu wissen, wo es gerade glatt, wo gestreut ist und wo nicht.

Da hat er wohl recht.

Eigentlich ganz normal

Heute taute das meiste Eis und machte alles nass. Die partielle Restglätte und der Schneematsch machten die Nagellappen unter den Schuhen aber unbedingt notwendig. Ich werde nun nicht mehr jeden Tag über die Gefährlichkeit des nordnorwegischen Wintereises für mich berichten, sondern nur noch, wenn etwas Besonderes passiert: Dass ich trotz der sogenannten Spikes gestürzt bin, zum Beispiel, oder dass ich wegen der zentimeterdicken Eisschicht nun doch die Schneeketten anlegen (lassen) mußte. Davon unabhängig werde ich natürlich von der Whalewatching-Segeltour, die am kommenden Samstag nun tatsächlich stattfinden soll, schreiben und von allen Naturschauspielen, die da noch kommen und so viele Fotos wie möglich hochladen.

Blasmusik

img_weihnachtsbaum-2016Ich muß mich erst wieder dran gewöhnen: Als ich kurz vor Mitternacht aufs Klo mußte, konnte ich sehen, dass gleich hinter dem Balkon eine dichte Nebelwand begann. Von Brücke, Hafen und Eismeerkathedrale war nichts zu sehen. Erst als eine Stunde später alles wieder zu sehen war, wußte ich: der Nebel war ein Schneesturm. Am morgen war die Schneeschicht jedoch so dünn, dass Mats und Anja trotzdem zum Strand gehen und Treibholz für die Weihnachtsdeko sammeln konnten. Die Ausbeute war relativ groß und müffelt nun bis zur Weiterverarbeitung im Waschmaschinenraum vor sich in. Es schneite den ganzen Tag. Als der Wind einem die Flocken in die Augen trieb, dachte ich schon, dass die feierliche Eröffnung der Weihnachtsbaumbeleuchtung eventuell ins ausgeflockte Wasser fällt. Dem war natürlich nicht so. Welcher Norweger läßt sich schon durch Wetter von irgendetwas abhalten? Die Blaskapelle brauchte zwar gefühlte Stunden zum Stimmen ihrer Instrumente, aber Mats und ich vertrieben uns die Zeit mit Schneeballschlachten. Als es mit Ringelreihen um den Baum für die Kinder endlich losging, war Mats trotz der 2 Grad minus auch kaum mehr wieder in die Wohnung zu bekommen. In den nächsten Tagen soll es noch kälter werden. Über den Niederschlag schweigt sichdie Wettervorhersage aus.

ein Fest für die Dunkelzeit.

es war vorgestern. Ich ging meinen Eigentherapien nach oder kochte gerade. Dabei hörte ich den Regen; und dachte mir nichts dabei. Dass draußen null Grad sein könnten, kam mir nicht ins Bewußtsein. Erst als ich schon auf dem Weg zum Kindergarten die Strasse hinter den Müllrohren passiert hatte, fiel mir das Glatteis auf. Natürlich hatte ich noch keine Spikes unter den Schuhen. Die einzige Möglichkeit, Mats abzuholen, schien mir, den erfahrungsgemäß öfter gestreuten „Abholweg“ zu nehmen. Aber dazu mußte ich bis zur Strasse zurück. Und die wenigen Meter bis dahin waren spiegelglatt, wenn die Eisschicht auch nur wenige Millimeter dick war. Einzige Möglichkeit: Bis zur Strasse zu rutschen oder zu schlittern, in der Hoffnung dort irgendwie anhalten zu können. Es muß wie eine Anleihe bei Buster Keaton ausgesehen haben, aber es glang. Der Alternativweg war leider nur die ersten Meter gestreut. Ich war kurz davor, Anja anzurufen und sie zu bitten, Mats abzuholen. Obwohl sie auch noch keine Nagelreifen an ihrem Fahrrad hatte. Aber mein Ehrgeiz war stärker. Irgendwie und mit gehöriger Verspätung kam ich zu Mats. Aber zurück mußten wir ja auch noch. Und das noch mit einer Plastiktüte voller nasser Klamotten, weil er und seine Kumpel im Regen draußen gespielt hatten. Da Mats besser vorankam, nahm er mir diese Tüte schon bald ab. Kurz nach dem Barnehagentor mußten wir eine Abbiegung gehen, die besonders schwierig zu bewältigen war. Als Mats sah, dass ich nur Millimeterweise vorankam, ging er in Dezimeterschritten übers Eis zu mir und gab mir seine Hand. Ohne ihn wäre ich niemals nachhause gekommen. Mein 4jähriger Sohn ist mir schon eine wahre Stütze.
Das macht ihn aber nicht unbedingt ausgeglichen und gutgelaunt. Heute war Mjörketidsfest. – anläßlich der bevorstehenden Dunkelzeit. Wieder richtete Mats Gruppe die Gesangseinlagen für alle Kinder und deren Eltern aus. Und wieder war Mats der einzige, der partout nicht mitsingen wollte und lieber lautstark sein Missfallen zum Ausdruck brachte. Das missfiel mir auch und ich konnte das auch nicht einfach überlächeln, weil Mats doch vorgestern erst mein Retter war.
Den Salat habe ich nun jedenfalls. Ab nun nur noch mit Nägeln unter den Schuhen raus. Und wenn das nicht reicht, wie in den letzten Wintern, habe ich jetzt noch niegelnagelneue Schneeketten für meine Schuhe in petto.

So ein Mist


In einer Woche werde ich wahrscheinlich nicht mehr als Schockbildmodel für Zigarettenpackungen herhalten können, meinte die Hautärztin der Uniklinik heute. Dazu muß ich meinen drei Antiepileptika noch weiterhin Cortison und Antihistamine hinzufügen.Solang´s hilft hab ich auch kein Problem damit und werde noch ein richtiger Freund der Schulmedizin. Allopathischer Großkunde bin ich ja schon. Vor 10 Jahren hätte ich dazu noch die Überschrift dieses Eintrags zitiert oder gleich „So´n Scheiss“ gesagt.Eventuell hätte ich gestern morgen auch an der Segeltour teilnehmen können, denn da sah meine Haut schon deutlich besser aus. Erst am Abend kam der Ausschlag mit Wucht zurück. Aber da wäre der Segeltörn mit erhoffter Walsichtung ohnehin schon vorbei gewesen. Wenn er denn stattgefunden hätte. Hat er aber nicht. Überdruck im Abwassertank hat zu dringenden Aufräumarbeiten geführt und das Boot erstmal unbetret- bzw. unberiechbar gemacht.