Von Elefanten und Eismeeresschildkröten

lotusblüte aus Eis

Heute war ein Tag, der dem immer noch herrschenden Winter mit seinem vielen Schnee gerecht wurde. Aber ohne Eis und Rutschgefahr für mich. Eis gibt es allerdings am Hauptplatz von Tromsö, der wegen einer alten Skulptur bei uns Walfängerplatz heißt. Seit einer Woche sind darauf aber Eisskulpturen, die von verschiedenen internationalen Teams geschnitzt wurden: Darunter natürlich Schneekristalle in groß und Eisschollen, aber auch ein Elefant vom Thailändischen Team, Lotusblüten und sogar ein Korallenriff mit Schildkröte. Letzen Sonntag wollten wir sie alle besichtigen. Einige der Skulpturen eigneten eignen sich leider auch als Kletterspielgerät für Kinder. Mats ist von einer heruntergerutscht und voll auf den Kopf gefallen. Im Krankenhaus konnte zum Glück eine Schädelfraktur gleich ausgeschlossen werden, aber eine schwere Gehirnerschütterung hatte er auf alle Fälle und mußte zur Beobachtung mit Anja über Nacht in der Klinik bleiben. Schon am nächsten Morgen war er wieder normal munter, und nun müssen wir die große Energie des Kleinen bändigen, um ihn von neuen Gefahrensituationen abzuhalten. Auch heute, nachdem ich mit ihm mit dem Bus aus Kvalöya zurückgefahren war. Dort hatten wir das im Hafen liegende Forschungsschiff besichtigt, auf dem Anja letztes Jahr soviel Zeit verbracht hat. Die konnte anschliessend auch noch eine Skitour machen, um endlich und im Schnee Zeit für sich zu haben. Eigentlich kann man diese Zeit hier auch geniessen. Und das lokale Käseblatt hat diese Woche gefordert, das Klettern auf den Eisskulpturen für Kinder zu verbieten.

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Trollvassby

Heute mittag war es dann so weit: Ich mußte alles Rollos im Wohnzimmer runtermachen. Auch jenseits des Schreibtisches gab es nur Blendung durch die Sonne, die es niemandem recht machen kann. Dazu noch die Tür zum Balkon auf, denn in unserem quasi-Wintergarten mit Rundummeerblick wurde es auch deutlich zu warm. Draußen – auch auf unserem Balkon – liegt viel Schnee. Kalt ist es aber gar nicht. Schon seit Tagen liegen die Temperaturen über dem Gefrierpunkt. Und es regnet. Was das für den Untergrund und mein Fortkommen darauf bedeutet, dürften regelmäßige Leser wissen. Auch meine Lieblings-Peronaeusschiene kann da nichts mehr ausrichten und gibt mir keinen Halt mehr. Zum 2. Mal war ich damit bei nord norges othopädiske Werksted. Die haben auch etwas geändert, was sich auch erstmal ganz gut anfühlte. Zu Testzwecken bin ich im Schnee auf dem Parkplatz der othopädischen Werkstatt herumgelaufen. Das ging auch noch. Aber zu früh gefreut. Rauf und runter im Treppenhaus geht damit nicht mehr. Nachdem ich zwischenzeitlich nur noch mit Schrittgrößen zwischen einem und 1o zentimetern über die Fußgängerbrücke zur Bushaltestelle schleichen konnte, dachte ich schon, jetzt hätte ich eine Verletzung am Sprunggelenk und es würde sich nun rächen, dass die Bänder dort früher so oft gerissen sind. Aber das ist es auch nicht. Kein organischer Schaden. Kürzer treten holft noch am allerbesten: einfach nicht mehr als 30 Minuten am Stück gehen. – auf diesen Kompromiß haben der tromsische Winter und ich uns nun geeinigt. Und im April bin ich wieder zur Reha in Murnau, wo ich meine Lieblingsorthese vor einem Jahr bekam. Die sollten die auch wieder reparieren können. Und obwohl die Zugspitze dort quasi vor der Haustür liegt, so viel Schnee und Eis, dass ich nicht mehr in die Busse einsteigen kann, wird dort dann nicht auf den Strassen liegen. Mats hats gut: der darf faul in seiner Pulka liegen und sich von Anja zur Trollhütte ziehen lassen. Das ist die, die im Funkloch liegt, in der die beiden es sich schon mal haben gut gehen lassen. Und das tue ich auch, dieses Wochenende, an dem ich machen kann, was ich will: So zum Beispiel mein Sprunggelenk ganz in Ruhe lassen und keine Heimtherapien machen. Mir vielleicht nur die Schneeskulpturen anschauen, die gerade auf Tromsös Hauptplatz entstehen.

schöner Sonntag

Frischbrot

Der zweite Wochenendtag fing gut an, beinahe mit Ausschlafen. Erst um7 uhr 15 kam Mats wieder an (nachdem er uns um 5 schon mal aus den Träumen gerissen hatte, weil er seine Flasche nicht hat finden können.)

Demensprechend entspannt und feiertagsmäßig üppig war unser Frühstück: nicht nur Anjas aus frisch gemahlenen Getreide und selbst hergestelltem Sauerteig gebackenes Brot, das noch warm war, sondern auch Pfannkuchen gab es. Köstlich. Und so gut wie er angefangen hatte, ging der Tag auch weiter: Anja und Mats fuhren zu einem Rodelhang auf der Stadtinsel, wo – nicht zufällig – auch noch andere Kinder waren. Die Mittagsmahlzeit war ein der Umgebung angemessenes Wintergrillen. Mitten im Schnee und irgendwie eine Art Norwegisch für Ausländer. Ich konnte derweil zuhause ausruhen und meine Therapien machen und war dabei auch noch ziemlich erfolgreich: Bald kann ich die Treppen von der ersten bis zur 5. Etage alternierend und ohne rechte Hand nicht nur rauf- sondern auch runtergehen.

schnelle Schnecke George Harrison

ch glaube, letztes Jahr habe ich dieses Ereignis auch schon mit dem Titel des größten Erfolges vom dritten Beatle überschrieben, also „Here comes the sun.“

Heute war es also endlich soweit: ich konnte ihr Auftauchen sehen, während ich vollverkabelt mit meinem Elektrostimulationstraining beschäftigt war. Als ich fertig war bin ich auch gleich auf den Balkon gegangen. Aber soviel Kraft, dass sie mich bei minus 5 Grad etwas wärmen konnte, hatte sie dann doch noch nicht, auch nicht, wenn der ganze Schnee auf dem Balkon sie reflektierte. Den brachte ich nach dem kühlen Sonnenbad mit den Schuhen in die Wohnung und rutschte fast darauf aus. Aber immerhin hat meine Haut vielleicht schon ein Pikogramm Vitamin D produziert und mich für den Rest des Winters fit gemacht. Anja und Mats hat die Sonne sogar geblendet als sie zu einer samischen Kinderfilmveranstaltung in der Stadt waren.

Einen Nachklapp zum Karneval in Nordnorwegen gab es auch noch: Die Frau von der neurologischen Poliklinik, die mich gestern fragte, ob sie denn den Brief mit den Daten für meinen Ternin dort am nächsten Mittwoch abschicken soll, damit ich ihn vielleicht schon Montag hätte, scheint die wertvolle Meldung tatsächlich der Post überantwortet zu haben. Der brief kam heute an.

Aufklärung

Tatsächlich machte Mats heute einen ganz gesunden Eindruck. Aber weil wir ihm das gestern schon gesagt hatten, mußte er heute nicht in den Kindergarten. So habe ich mich vormittags mit dem Kleinen beschäftigt, was er mir mit Küssen und Streicheleinheiten auch gleich vergolten hat, und Anja konnte zur Arbeit. Mich hat außerdem die Dame von gestern angerufen, um mir den Ersatztermin für den gestern verpassten gleich telefonisch mitzuteilen. Nach mehreren Bitten sprach sie heute sogar Englisch. Außerdem war sie von der Universitätsklinik. Möglicherweise hat sie gestern etwas von „Polikli-nik“ gesagt und ich habe „Politi“ verstanden.Tatsächlich wurde mir nach meinen anfallsbedingten Besuch in der neurologischen Poliklinik im letzten Jahr mitgeteilt, dass ich im Januar dort vorstellig werden sollte. Der genaue Termin würde mir noch brieflich mitgeteilt. Er war gestern, bzw. wäre gestern gewesen. Ich habe der Frau am Telefon mitgeteilt, dass ich nie einen Brief mit Termin bekommen hätte. Die erleichternde Antwort war, dass das auch kein Wunder sei, denn sie hätte ihn auch noch gar nicht abgeschickt. Ich versuchte ihr dann meine Verwunderung deutlich zu machen. Aber es blieb dabei. Der Brief war nie abgeschickt worden. Ob sie denn jetzt den Brief mit dem Ersatztermin am nächsten Mittwoch abschicken solle, den bekäme ich dann vielleicht schon Montag. Ich bat darum, weil ich nicht verstanden hatte, bei welchem Neurologen ich mich melden soll. Nun bin ich gespannt, ob ich diesen Brief nun bekomme und ob der Neurologe dann auch davon weiß. Ein bißchen erschüttert hat dieser Vorfall meinen Glauben in das fortschrittliche norwegische Kommunikationssystem schon.

Nachmittags haben Anja und ich dann getauscht. Ich konnte meine Übungen und Haustherapien machen und mich mittags hinlegen. Ich habe sogar geschlafen. Das erwähne ich, weil es so selten vorkommt, denn seit dem Unfall kann ich tagsüber nicht mehr schlafen. Dann sind Anja und Mats noch zum „Kaufhaus Wühlmaus“ gefahren, wie Mats diese Gebrauchtwaren-Bring- und Kaufeinrichtung auf dem Recyclinghof nennt, weil sie bei seiner Oma in Rendsburg auch so heißt. Da war er offenbar gerne. So sind wir einige überflüssige Gegenstände losgeworden, konnten im Gegenzug aber keine Teekanne erwerben, weil es die dort nicht gab. Wir hatten nämlich nur eine aus Deutschland mitgenommen, und die ist nicht mehr zu gebrauchen. Bisher haben wir es ja nicht bereut, 90% unseres Hausstandes nicht mitgenommen zu haben, aber irgendwann werden wir wahrscheinlich noch alles vermissen, was jetzt den ganzen ehemaligen Stall in Ekel füllt.

Die Polizeipräsidentin von Tromsö

War ein aufregender Vormittag heute. Erstmal habe ich den linken Nagellappen nicht mehr richtig anbekommen bzw. er fiel 2mal wieder ab. einmal habe ich im Erdgeschoss auf der Treppe versucht, ihn wieder anzuziehen, das zweite mal hat mir jemand geholfen, der um die Ecke Schnee schippte. So habe ich dann den Bus verpasst. Im Bus, den ich dann genommen habe, klingelte noch vor der Brücke auf die Stadtinsel mein handy. Es war eine Frau dran, die irgendwas von „Politi“ sagte,aber kein Englisch sprach. Der Fahrgast, der neben mir saß, hat dann netterweise das Dolmetschen übernommen. Die Frau wollte den Termin für heute absagen und mir per Post einen neuen schicken. „not via e-mail?“ fragte ich noch. „no, via snake-post“ war die Antwort. Also gab ich in der Stadt noch einen Brief ab, fuhr dann wieder nachhause und freute mich schon auf einen geruhsamen Resttag, in dem ich vielleicht mein Schlafdefizit hätte ausgleichen können. Dann rief Mats`Kindergartengruppenleiterin an und bat mich, Mats abzuholen. Er sei krank. Zum Glück konnte ich die Schuhspikes nun richtig anziehen und verlor sie bis zum Kindergarten auch nicht mehr. Der Weg mit Mats nachhause war vollkommen problemlos (Er war also wirklich krank) Kurz vor der Haustür rief noch der Therapeut an, zu dem ich schon unterwegs gewesen war und fragte, wo ich bliebe. Die Absage war wohl ein Mißverständnis, denn er wußte davon nichts. Vielleicht werde ich ja mal erfahren, wer mich da angerufen hat, um für heute abzusagen.Einen Termin mit der Polizei hatte ich jedenfalls meines Wissens nicht. Mats hatte geringes Fieber und hat vom späten Vormittag an geschlafen, bis Anja zum Glück früher von der Arbeit kam. Therapie hatte ich heute keine, auch nicht zuhause. Da fehlt mir gleich was. Wie es morgen weitergeht, können wir erst morgen früh entscheiden. Im Moment fühlt er sich nicht mehr heiß an, und spielt ganz munter. Kann aber morgen alles ganz anders sein.

Lichter

Immer noch hat keine Sonne unsere Vitamin-D-Produktion angeregt. Auch Polarlichter haben wir schon länger nicht mehr gesehen. Dabei sind heute Bilder von einem Gleitschirmflieger vor Polarlicht in Tromsö im öffentlich-rechtlichen deutschen Fernsehen gezeigt worden, wie mir zugetragen worden ist. Die gute Nachricht bei uns: mit ein paar cm Neuschnee läßt es sich momentan gut laufen, und ich bin schon länger nicht mehr hingefallen. Aber das kann sich ja schnell ändern und zu Szenen kommen wie letzte Woche im Kindergarten. Da war es so glatt, dass alle Kinder auf dem Eis lagen und von den ErzieherInnen nicht wieder aufgestellt sondern nur am Kragen ihrer Schneeanzüge gepackt und übers Eis gezogen wurden bis sie dann ihren Eltern übergeben werden konnten. Wenn es wieder so eisig wird könnte ich mir überlegen, Mats so nachhause zu bringen. Vielleicht auch an einer Leine um einen Fuß ziehend. Sind ja nur 100 Meter. Aber noch hoffe ich, dass uns das erstmal erspart bleibt. Da kann es ruhig  richtig knackig kalt werden. Dann schmiltzt der Schnee wenigstens nicht…